Protein mit doppeltem Lichtschalter

Presseinformation des KIT (Karlsruher Institut für Technologie) vom 05.07.2010

Karlsruher Forscher entwickeln neuen fluoreszenten Marker für biotechnologische Anwendungen

Ein neues fluoreszentes Markerprotein haben Forscher um Professor Gerd Ulrich Nienhaus vom KIT entwickelt: Bei dem photoaktivierbaren Protein „mIrisFP“ lässt sich sowohl das Fluoreszenzlicht ein- und ausschalten als auch die Farbe des Lichts von Grün nach Rot verändern. Das Protein erlaubt dynamische Untersuchungen an Zellen und Organismen und eröffnet der zellbiologischen und molekularmedizinischen Forschung neue Möglichkeiten. In der Fachzeitschrift „Nature Methods“ stellen die Wissenschaftler nun ihre Entwicklung vor.
 
Fluoreszente Proteine strahlen einfallendes Licht effizient wieder ab und machen dadurch Proteine in lebenden Zellen sichtbar. Als genetisch kodierte Fluoreszenzmarker lassen sie sich für Experimente in den Lebenswissenschaften vielfältig einsetzen: Wird das Gen eines bestimmten Proteins um die Erbinformation (DNS-Sequenz) für das fluoreszierende Protein erweitert, produziert die Zelle ein so genanntes Fusionsprotein, das durch ein charakteristisches Fluoreszenzleuchten zu erkennen ist.
 
Zunächst war nur das grün fluoreszierende Protein (GFP) einer pazifischen Qualle bekannt. In den vergangenen Jahren entdeckte die Forschung fluoreszierende Proteine in weiteren wirbellosen Meerestieren und identifizierte unter anderem auch photoaktivierbare Proteine, deren Fluoreszenz sich durch Lichteinstrahlung gezielt steuern lässt. Die Naturformen dieser Proteine eignen sich allerdings nicht für biotechnologische Anwendungen; sie müssen dafür aufwendig optimiert werden. Bisher ließ sich bei solchen Markerproteinen entweder die Fluoreszenz ein- und ausschalten oder aber die Farbe des Lichts verändern.
 
Die Forschergruppe um Gerd Ulrich Nienhaus am DFG-Centrum für Funktionelle Nanostrukturen (CFN) des KIT hat nun gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Ulm, der University of Southampton/UK und der University of Illinois/USA ein als „mIrisFP“ bezeichnetes Markerprotein entwickelt. Es zeichnet sich durch die Kombination von zwei durch Licht steuerbaren Aktivierungsmodi aus: eine nicht umkehrbare Photokonversion von Grün nach Rot und eine umkehrbare Ein- und Ausschaltbarkeit der Fluoreszenz. Zudem ist mIrisFP monomer, das heißt es besteht aus nur einer Einheit, so dass es nicht zur Bildung von Proteinmolekülkomplexen kommt.
 
„Dadurch besitzt mIrisFP exzellente Eigenschaften für lebenswissenschaftliche Anwendungen“, erklärt Professor Nienhaus. „Besonders spannend sind sind dynamische Untersuchungen an lebenden Zellen und Organismen.“ Durch gezielte Lichteinstrahlung können bestimmte Zellen in frühen Embryonalstadien von Modellorganismen markiert und über Tage und Wochen hinweg verfolgt werden. Gezielte Markierungen von Zellkompartimenten werden mit Signalpeptiden erreicht, welche über gentechnische Modifikation auf DNS-Ebene an das fluoreszierende Protein angehängt werden. Besonders wichtig sind die erwähnten Fusionskonstrukte eines fluoreszenten Markerproteins mit einem zu untersuchenden Protein, um dieses sichtbar zu machen. Photoaktivierbare fluoreszente Proteine spielen außerdem eine Schlüsselrolle in der höchstauflösenden Fluoreszenzmikroskopie.
 
Mit mIrisFP lassen sich Abbildungen von Zellen mit räumlichen Auflösungen von 20 bis 30 Nanometern herstellen – weit unterhalb der Abbeschen Auflösungsgrenze von rund 200 Nanometern, die lange als physikalische Grenze galt und genauere Einblicke in die molekularen Prozesse in der lebenden Zelle verhinderte. In der Fachzeitschrift „Nature Methods“ stellt die Forschergruppe das neue Markerprotein vor und untersucht mit höchstauflösender Photoaktivierungs-Lokalisationsmikroskopie (PALM) molekulare Prozesse bei der Bewegung einer menschlichen Krebszelle. So lässt sich verfolgen, wie bestimmte mit mIrisFP sichtbar gemachte Proteine in einem Bereich der Zelle entfernt werden, um anschließend in einem anderen Bereich der Zelle wiederum in neue Strukturen eingebaut zu werden. (or)
 
Literatur:
A photoactivatable marker protein for pulse-chase imaging with superresolution. Jochen Fuchs, Susan Boehme, Franz Oswald, Per Niklas Hedde, Maike Krause, Jörg Wiedenmann & G Ulrich Nienhaus. Nature Methods. Published online: 4 July 2010; doi: 10.1038/nmeth.1477.

Externer Link: www.kit.edu

Computergestützte Partnervermittlung für Formgedächtnis-Metalle

Presseinformation der Ruhr-Universität Bochum vom 01.07.2010

RUB-Forscher entdecken Gedächtnis-Metall mit unerreichter funktioneller Stabilität
Titelstory in „
Advanced Functional Materials“

Eine neue Formgedächtnis-Legierung mit bisher unerreichter funktioneller Stabilität haben Forscher des Instituts für Werkstoffe der Ruhr-Universität gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Japan entwickelt. Sie stützten sich dabei auf eine theoretische Vorhersage und nutzten kombinatorische Methoden der Materialforschung, sog. Dünnschicht-Materialbibliotheken, um die optimale Zusammensetzung zu entwickeln. Das Ergebnis besteht aus vier Komponenten: Titan, Nickel, Kupfer und Palladium. Von dem neuen Material versprechen sich die Forscher Bauteile mit stabilem Formgedächtniseffekt und langer Lebensdauer, z.B. für Anwendungen in der Medizintechnik wie Stents. Sie berichten in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journals „Advanced Functional Materials“, das ihren Beitrag als Titelstory auswählte.

Formgedächtnislegierungen

Formgedächtnismaterialien kehren nach einer mechanischen Verformung bei Erwärmung in ihren Ausgangszustand zurück (Formgedächtniseffekt), oder ermöglichen bis zu ca. 10 % vollständig „elastische“ Dehnungen (Superelastizität). Die erstaunlichen Effekte basieren auf einer umkehrbaren martensitischen Phasenumwandlung: Die Kristallstruktur verändert sich in Abhängigkeit von der Temperatur oder Spannung. Allerdings gehen diese Veränderungen nicht spurlos am Material vorbei. Die wiederholten Verformungen erzeugen Defekte, die sich auf Dauer summieren, so dass das die Formgedächtniseigenschaft nachlässt. „Die Defekte entstehen an der Grenze zwischen der Hochtemperatur- und der Tieftemperaturphase während der Umwandlung und resultieren aus einer Fehlpassung der Kristallstrukturen“, erklärt Robert Zarnetta vom Materials Research Department der RUB.

Vier passende Partner

Theoretische Berechnungen der Forschungspartner aus den USA hatten ergeben, dass sich diese Fehlpassung durch die Auswahl von Metallen mit kompatiblen Hoch- und Tieftemperatur-Kristallgitterstrukturen reduzieren lassen müsste. Als optimale Partner für eine solche Legierung wurden die vier Metalle Titan, Nickel, Kupfer und Palladium (Ti-Ni-Cu-Pd) berechnet. Die erfolgreiche experimentelle „Partnervermittlung“ wurde durch den Einsatz von Dünnschicht-Materialbibliotheken möglich, mit deren Hilfe sehr große Zusammensetzungsbereiche in aus vier Elementen bestehenden (quaternären) Legierungssystemen mit Hochdurchsatz-Charakterisierungsmethoden untersucht werden können. „Die spezielle Zusammensetzung der neuen Legierung mit konventionellen experimentellen Methoden zu finden und zu optimieren wäre extrem schwierig gewesen“, erklärt Prof. Dr. Alfred Ludwig, Inhaber des Lehrstuhls Werkstoffe der Mikrotechnik.

Kompatible Kristallgitter machen stabil

Neben der Entdeckung spezieller Legierungszusammensetzungen konnten die Forscher in den Dünnschichten auch die zugrundeliegenden Zusammensetzungs-Struktur-Eigenschaftsbeziehungen ermitteln, und nutzten diese, um die Ergebnisse der Dünnschichten auf Massivmaterialien zu übertragen. So gelang zum ersten Mal der Nachweis des grundlegenden Zusammenhangs zwischen dem kristallinen Aufbau von Formgedächtnismaterialien und deren funktioneller Stabilität. „Eine verbesserte Kompatibilität der Kristallgitter der Hochtemperatur- und Tieftemperaturphase führt zu verbesserter funktioneller Stabilität“, fasst Robert Zarnetta das Ergebnis zusammen. „Dieser Zusammenhang konnte nur durch den Brückenschlag zwischen der kombinatorischen Entwicklung von Formgedächtnis-Dünnschichten und der konventionellen Materialentwicklung nachgewiesen werden“.

Sonderforschungsbereich und Research Department

Die Untersuchungen wurden, aufbauend auf der Arbeit im Sonderforschungsbereich (SFB) 459 „Formgedächtnistechnik“, am Lehrstuhl „Werkstoffe der Mikrotechnik“ (Prof. Dr.-Ing. Alfred Ludwig, Institut für Werkstoffe) in Kooperation mit dem Lehrstuhl Werkstoffwissenschaft (Prof. Dr.-Ing. Gunther Eggeler, Institut für Werkstoffe) im Materials Research Department der RUB durchgeführt. (Meike Drießen)

Titelaufnahme:
Zarnetta, R., Takahashi, R., Young, M. L., Furuya, Y., Thienhaus, S., Savan, A., Maass, B., Rahim, M., Frenzel, J., Brunken, H., Chu, Y. S., Srivastava, V., James, R. D., Takeuchi, I., Eggeler, G. & Ludwig, A.: Identification of quaternary shape memory alloys with near zero thermal hysteresis and unprecedented functional stability, In: Advanced Functional Materials 2010, 20, 1917-1923), doi: 10.1002/adfm.200902336

Externer Link: www.ruhr-uni-bochum.de

technologiewerte.de – Börsenblick Juni 2010

Rückblick Juni 2010

Performance

Der TecDAX der Deutschen Börse AG gab im Juni 2010 um circa 2% nach. Unter den Index-Top-Performern finden sich die Aktien von Phoenix Solar, Dialog Semiconductor sowie Drägerwerk (VZ); zu den Underperformern zählen die Papiere von Wirecard, Singulus und United Internet.

Ausblick Juli 2010

Kalender

o Aixtron:

29.07.2010 Q2/2010 Ergebnis

13.-15.07.2010 Semicon West Conference San Francisco

30.07.2010 Q2/2010 Roadshow London

o BB Biotech:

29.07.2010 Halbjahresbericht per 30. Juni 2010

o Dialog Semiconductor:

20.07.2010 Publication of Q2 2010 Results Interim Report

o Freenet:

06.07.2010 Hauptversammlung

o Kontron:

27.07.2010 Veröffentlichung Quartalsbericht Q2

o Morphosys:

28.07.2010 Veröffentlichung Halbjahresbericht 2010

o Smartrac:

29.07.2010 Publication of Q2 Interim Report

29.07.2010 Analysts‘ Conference Call

o Software AG:

29.07.2010 Vorläufiges Ergebnis zweites Quartal 2010 (IFRS, ungeprüft)