Nano-Röhrchen als Spinfilter

Pressemitteilung der Universität Regensburg vom 02.08.2010

Alle Elektronen tragen ein magnetisches Moment, Spin genannt, das grundsätzlich in zwei Richtungen zeigen kann. Setzt man geeignete Nano-Röhrchen aus Kohlenstoff einem hohen Magnetfeld aus, so lassen sie bei einem bestimmten Wert nur Elektronen mit einer Spinrichtung durchfließen. Erhöht man das Magnetfeld weiter, so fanden Wissenschaftler von Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) und den Universitäten Regensburg und Delft nun heraus, so werden nur Elektronen mit der anderen Spinrichtung durchgelassen. Dieser überraschende Effekt wurde erstmals beobachtet und hat seinen Grund in den exotischen elektronischen Eigenschaften der für neuartige Speichertechnologien interessanten Röhren.

Die untersuchten Nano-Röhren bestehen aus aufgerolltem Graphen, eine genau eine Atomlage starke Schicht aus Graphit – das ist das gleiche Material, aus dem auch Bleistiftminen gemacht werden. Abhängig davon, wie das Graphen-Blatt zu einem Röhrchen aufgewickelt ist – gerade oder schief -, erhält man einen isolierenden Halbleiter oder ein leitfähiges Metall. Sowohl diese elektrischen als auch die mechanischen Eigenschaften der Röhren lassen sie für neue Technologien wie die Nano-Elektronik als besonders geeignet erscheinen. Bei Festigkeiten, die die von Stahl um ein Vielfaches übertrifft, können die Röhren hohe Ströme transportieren und die dabei entstehende Wärme hervorragend abführen.

Die Regensburger Wissenschaftler stellten verschiedenartige Nano-Röhren mit Durchmessern von rund eineinhalb Nanometern und Längen von einigen 10 Mikrometern her. Die Röhrchen mussten zudem elektrisch kontaktiert werden, um die elektronischen Eigenschaften in hohen Magnetfeldern untersuchen zu können. Die Experimente selbst fanden im Hochfeld-Magnetlabor Dresden des FZD statt und resultierten in verblüffenden Ergebnissen, die vor kurzem in der Fachzeitschrift Physical Review B veröffentlicht wurden.

Bei den winzigen Dimensionen der Nano-Röhren aus Kohlenstoff versagt die klassische Beschreibung und die Elektronen gehorchen quantenmechanischen Gesetzen. Die Elektronen können sich nur in ganz bestimmten Bahnen mit festgelegten Energien in den Röhren bewegen. Das Magnetfeld verschiebt nun die energetische Lage der Bahnen, sodass ein metallisches Nano-Röhrchen zum Isolator wird. Eine besondere Überraschung boten leitfähige, schräg aufgewickelte Nano-Röhrchen, denn dort ist die Bahn der Elektronen gekoppelt mit dem Spin. Das ist eine Art Drehung um die eigene Achse, die ein magnetisches Moment erzeugt. Der Spin der Elektronen kann genau zwei Richtungen bzw. Zustände einnehmen, weist also eine Schalt-Eigenschaft auf, die einen Einsatz für neuartige Speichertechnologien nahelegt. Dies will sich die so genannte Spintronik zunutze machen will, stößt aber auf ein grundlegendes Problem: es fehlt bisher ein Bauelement, mit dem die Elektronenspins beliebig polarisiert werden können, mit dem also die Richtung der Spins nach Wunsch eingestellt werden kann.

Den Wissenschaftlern aus Dresden, Regensburg und Delft gelang es nun, abhängig vom Magnetfeld alle Spins erst in die eine, dann in die andere Richtung zu schalten. Damit existiert erstmals eine verlässliche Methode, um in einem für die Nano-Elektronik geeigneten Material den Spin wunschgemäß einzustellen. Das schräg aufgerollte Nano-Röhrchen aus Kohlenstoff jedenfalls war bei drei und elf Tesla (Tesla ist ein Maß für die Magnetfeld-Stärke) jeweils anders spinpolarisiert, d. h. bei drei Tesla zeigten alle Spins in die eine, bei elf in die andere Richtung. Allerdings funktioniert der neue Spinfilter derzeit nur bei tiefen Temperaturen von wenigen Grad über dem absoluten Temperatur-Nullpunkt. Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, als bisher davon ausgegangen wurde, dass die Kopplung der Elektronenspins an die Bahnbewegung bei Kohlenstoff-Nanoröhren kaum eine Bedeutung habe.

Kohlenstoff-Nanoröhren jedenfalls, so scheint es, steht eine bedeutende Zukunft bevor, was den Einsatz in unterschiedlichen technologischen Feldern anbelangt. Ein Feld, so legen die aktuellen Ergebnisse der Experimente im Hochfeld-Magnetlabor Dresden des FZD nahe, könnte die Spintronik sein, und zwar wenn es gelänge, Nano-Bauteile oder -Transistoren aus Kohlenstoff-Röhrchen herzustellen, die in Schaltkreisen zuverlässig funktionierten.

Publikation:
S.H. Jhang, M. Marganska, Y. Skourski, D. Preusche, B. Witkamp, M. Grifoni, H. an der Zant, J. Wosnitza, C. Strunk: Spin-orbit interaction in chiral carbon nanotubes probed in pulsed magnetic fields, in: Physical Review B 82, 041404(R) (2010).
DOI: 10.1103/PhysRevB.82.041404

Externer Link: www.uni-regensburg.de

Kalte Atome machen Mikrowellenfelder sichtbar

Medienmitteilung der Universität Basel vom 03.08.2010

Mikrowellen sind aus der modernen Kommunikationstechnologie nicht mehr wegzudenken. So enthalten beispielsweise Mobiltelefone und Laptops integrierte Mikrowellenschaltkreise für die drahtlose Kommunikation mit Netzwerken. Zur Entwicklung solcher Schaltkreise werden ausgefeilte Techniken zur Messung und Charakterisierung von Mikrowellenfeldern benötigt. Forschende der Universität Basel, der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben nun eine neuartige Methode entwickelt, die es erlaubt, Mikrowellenmagnetfelder vollständig und mit hoher Ortsauflösung direkt abzubilden. Da die Möglichkeit einer kommerziellen Anwendung besteht, haben die Forscher die neue Methode zum Patent angemeldet. Über die Studie berichtet das Fachmagazin «Applied Physics Letters» in seiner aktuellen Titelgeschichte.

Die moderne drahtlose Kommunikation beruht auf der Übertragung von Informationen mit Radiofrequenzwellen und Mikrowellen. Integrierte Mikrowellenschaltkreise, die in Geräten wie Mobiltelefonen und WLAN-fähigen Laptops zu finden sind, dekodieren und verarbeiten dabei die Information. Zur Entwicklung solcher Schaltkreise werden Computersimulationen eingesetzt. Da moderne Schaltkreise eine sehr grosse Zahl von Komponenten enthalten, können Mikrowellenfelder indes nur annähernd simuliert werden. Letztendlich sind Messungen nötig, um Gewissheit über Funktion und eventuelle Störungen zu erhalten.

Um die Mikrowellenschaltkreise gezielt zu überprüfen und zu verbessern, möchte man idealerweise sämtliche Komponenten der Mikrowellenfelder direkt und mit möglichst hoher Ortsauflösung abbilden. Bei den bisher üblichen Verfahren wurde das zu vermessende Feld dazu Punkt für Punkt abgerastert, was einige Zeit in Anspruch nahm. Die meisten Verfahren konnten dabei lediglich die Amplituden, nicht aber die Phasen der Mikrowellenfelder messen. Weitere Probleme bestanden darin, dass das zu vermessende Feld durch die Verwendung von makroskopischen Sonden leicht gestört werden konnte und die Ortsauflösung relativ gering war.

Atome als Sensor für Mikrowellen

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Prof. Dr. Philipp Treutlein (Universität Basel) und Prof. Dr. Theodor W. Hänsch (Max-Planck-Institut für Quantenoptik und Ludwig-Maximilians-Universität München) hat nun eine neue Methode zur Abbildung der Magnetfeldkomponenten von Mikrowellen entwickelt. Als Sonden für das Mikrowellenfeld verwenden sie kleine Wolken von ultrakalten Atomen, die sie zunächst mithilfe von Methoden der Laserkühlung auf Temperaturen von wenigen Millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt abkühlen. Bei diesen Temperaturen unterliegen die Atome den Gesetzen der Quantenphysik und reagieren sehr empfindlich auf angelegte äussere Felder, was sie zu idealen Sensoren macht. Mithilfe von statischen Magnetfeldern werden die Atome am gewünschten Ort über dem Mikrowellenschaltkreis positioniert und das zu vermessende Mikrowellenfeld wird angelegt.

«Die Atome ändern ihren inneren Zustand, wenn sie sich in einem Mikrowellenfeld befinden», erklärt Pascal Böhi, der die Methode im Rahmen seiner Doktorarbeit mit entwickelt hat. «Diese Zustandsänderung können wir mit einer CCD-Kamera mit hoher Ortsauflösung abbilden. Je schneller sich der Zustand an einem gegebenen Ort ändert, desto stärker ist das Mikrowellenfeld dort.»

Eine Besonderheit der neuen Methode ist, dass das Mikrowellenfeld nicht mehr Punkt für Punkt abgerastert werden muss, sondern dass sich in einer einzigen Messung bereits ein komplettes Bild einer Feldkomponente in einer Ebene aufnehmen lässt. Dies beschleunigt die Aufnahme der Daten erheblich. Ausserdem ermöglicht die Technik nicht nur eine Rekonstruktion der Amplituden, sondern auch eine der Phasen des Mikrowellenfeldes. Da die Atome mikroskopisch klein sind, stören sie zudem den zu vermessenden Mikrowellenschaltkreis im Gegensatz zu makroskopischen Messköpfen nicht. Die neue Methode kann bei unterschiedlichen Frequenzen im Gigahertz-Bereich verwendet werden.

Zum Patent angemeldet

«Um von der ersten Umsetzung im Labor hin zu kommerziellen Anwendungen zu kommen, ist natürlich noch weitere Entwicklungsarbeit nötig», so Projektleiter Philipp Treutlein. Allerdings wurde vor Kurzem bereits ein sehr kompakter und portabler Aufbau für Experimente mit ultrakalten Atomen realisiert, der für solche Anwendungen interessant sein könnte. Die Apparatur selbst arbeitete bei Raumtemperatur, lediglich die Atome in ihr werden mithilfe von Lasern abgekühlt, was nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt. Die wesentlichen Komponenten solcher Aufbauten sind mittlerweile kommerziell erhältlich. Wegen der potenziellen Anwendungen haben die Wissenschaftler ihre neue Methode zur Abbildung von Mikrowellenfeldern zum Patent angemeldet.

Originalbeitrag:
Pascal Böhi, Max F. Riedel, Theodor W. Hänsch, and Philipp Treutlein
Imaging of microwave fields using ultracold atoms
Applied Physics Letters 97, 051101, issue of 2 August 2010 | doi: 10.1063/1.3470591

Externer Link: www.unibas.ch

technologiewerte.de – Börsenblick Juli 2010

Rückblick Juli 2010

Performance

Der TecDAX der Deutschen Börse AG legte im Juli 2010 um circa 4% zu. Unter den Index-Top-Performern finden sich die Aktien von Manz Automation, Wirecard sowie Aixtron; zu den Underperformern zählen die Papiere von Kontron, Singulus und Qiagen.

Ausblick August 2010

Kalender

o Aixtron:

02.-03.08.2010 Q2/2010 Roadshow Europa

03.-06.08.2010 Q2/2010 Roadshow USA

10.-11.08.2010 Canaccord Growth Conference Boston

o Bechtle:

12.08.2010 Zwischenbericht 2. Quartal 2010

o Carl Zeiss Meditec:

12.08.2010 Q3-Veröffentlichung

12.08.2010 Telefonkonferenz zum 3. Quartal 2010

o Centrotherm:

12.08.2010 Veröffentlichung 2. Zwischenbericht zum 30. Juni 2010

o Conergy:

12.08.2010 Veröffentlichung Halbjahresbericht zum 30. Juni 2010 (Januar bis Juni)

12.08.2010 Telefonkonferenz

o Drägerwerk:

05.08.2010 Bericht zum zweiten Quartal 2010

05.08.2010 Telefonkonferenz

o Drillisch:

12.08.2010 Halbjahresbericht 2010

o Evotec:

12.08.2010 Half Year Report 2010

o Freenet:

11.08.2010 Veröffentlichung Zwischenbericht zum 2. Quartal 2010

o Jenoptik:

12.08.2010 Zwischenbericht 1. Halbjahr 2010

13.08.2010 Analystenkonferenz

o Manz Automation:

10.08.2010 6-Monatsbericht 2010

o Medigene:

05.08.2010 Veröffentlichung des 6-Monatsberichts 2010

o Morphosys:

23.08.2010 Commerzbank Chemicals & Life Sciences Conference Frankfurt

o Nordex:

05.08.2010 Bericht über das erste Halbjahr 2010 mit Telefonkonferenz

o Pfeiffer Vacuum:

03.08.2010 Ergebnis erstes Halbjahr

o Phoenix Solar:

11.08.2010 Bericht zum 30. Juni 2010 (Telefonkonferenz/Webcast)

o Q-Cells:

12.08.2010 Announcement of report as of 30 June 2010

o Qiagen:

09.08.2010 Publication of Quarterly Results 2/10

10.08.2010 Second Quarter 2010 Conference Call

o QSC:

09.08.2010 Veröffentlichung des Quartalsberichts II/2010

24.08.2010 Commerzbank Technology, Media & Telecoms Conference Frankfurt

o Roth&Rau:

13.08.2010 Quartalsbericht Q2/10

o Singulus:

03.08.2010 Quartalsbericht Q2/2010

o Smartrac:

02./03.08.2010 Roadshow London

04.08.2010 Roadshow Edinburgh

24.08.2010 Commerzbank TM&T Conference

o SMA Solar:

13.08.2010 Veröffentlichung Halbjahresfinanzbericht Januar-Juni 2010

13.08.2010 Analyst Conference Call

o Solarworld:

11.08.2010 Veröffentlichung Konzern-Zwischenbericht 1. Halbjahr 2010

11.08.2010 Analysten-Telefonkonferenz

o United Internet:

27.08.2010 Veröffentlichung Halbjahresbericht 2010

o Wirecard:

18.08.2010 Pressemeldung zum 6-Monatsabschluss

18.08.2010 Veröffentlichung des 6-Monatsabschluss