Metallische Schmelzen erstarren zu massivem Glas – Forscher entdecken einheitliches Muster

Pressemitteilung der Universität des Saarlandes vom 29.11.2010

Bei der Herstellung von Glas wird flüssige Silikatschmelze verwendet. Wenn man diese abkühlt, wird sie immer dickflüssiger und „gefriert“ dann zu Glas. Schon seit langem ist bekannt, dass dies auch bei Metallen möglich ist. Aber erst heute kann man massive metallische Gläser herstellen. Saarbrücker Forscher haben jetzt entdeckt, dass auch Metallkristalle beim Abkühlen einfrieren und sich dabei genauso verhalten wie Silikatschmelzen oder metallische Gläser. Die Wissenschaftler sehen darin ein einheitliches Muster, wie sich Flüssigkeiten und Kristalle beim Abkühlen selbst ordnen und einfrieren. Die Forschungsergebnisse haben sie in der aktuellen Ausgabe von „Nature Physics“ veröffentlicht.

Wenn bei der Glasherstellung der Grundstoff, der Quarzkristall, geschmolzen wird, entstehen im Inneren ungeordnete Strukturen. Wird die Flüssigkeit dann abgekühlt, beginnen sich die Atome zu ordnen, jedoch nicht so weit, dass wieder regelmäßige Kristallstrukturen entstehen. „In diesem Zustand, den Materialforscher als unterkühlte Schmelze bezeichnen, ist das Material zähflüssig und kann zum Beispiel beim Glasblasen sehr gut geformt werden. Durch weiteres Abkühlen gefriert die unterkühlte Schmelze dann zu einem Quarzglas, das auch als Silikatglas bezeichnet wird. Man nennt dieses Einfrieren den Glasübergang“, erläutert Ralf Busch, Professor für metallische Werkstoffe der Universität des Saarlandes.

Glas herzustellen ist aber nicht nur mit Quarzkristall möglich. Das Verfahren ist auch von verschiedenen Kombinationen von Metallen, den Legierungen, bekannt, ist dort aber viel schwieriger umzusetzen. „Bereits vor 50 Jahren hat man entdeckt, wie man metallische Gläser erzeugen kann. Man brauchte jedoch extrem hohe Abkühlraten von bis zu einer Million Grad pro Sekunde und konnte deshalb nur dünne Folien herstellen“ sagt der Materialforscher. In den letzten 20 Jahren habe man aber gelernt, bis zu fünf verschiedene Metalle so zu mischen, dass man diese Legierungsschmelze nicht mehr schnell abkühlen muss, um metallisches Glas zu bilden. Diese neuen Legierungen lassen sich wie Silikate oder Kunststoffe als zähe Flüssigkeit leicht verarbeiten und sind als Glas fester als Stahl. Busch erklärt dieses Phänomen so: „Wir haben erkannt, dass Mischungen aus großen und kleinen Metallatomen zähflüssig sind und viel langsamer kristallisieren. Dadurch kann man heute bis zu mehrere Zentimeter dicke metallische Massivgläser herstellen, die sich als Konstruktionswerkstoff eignen.“

Eine Silikatschmelze ist bereits am Schmelzpunkt zähflüssig wie Honig. Das liegt daran, dass sich die Atome in ihr langsam bewegen, weshalb sie auch sehr langsam kristallisiert. Man nennt sie deshalb eine „starke“ Flüssigkeit. Viele Flüssigkeiten sind an ihrem Schmelzpunkt jedoch sehr dünnflüssig. Hierzu gehören Wasser und auch alle reinen Metalle. Die Atome bewegen sich in diesen Flüssigkeiten schnell, so dass bei wenigen Grad unter dem Schmelzpunkt Kristallisation einsetzt. Aufgrund ihrer geringen Tendenz zur Glasbildung nennt man sie „fragil“. „Wenn man jedoch Wasser auf eine ganz bestimmte Weise kühlt und verhindert, dass sich dabei Eiskristalle bilden, wird weit unter dem eigentlichen Gefrierpunkt aus dem dünnflüssigen, fragilen Wasser ein dickflüssiges, starkes Wasser, dass dann bei noch tieferen Temperaturen zu einem glasartigen Wasser einfriert“, erläutert Ralf Busch.

Die Materialforscher in Saarbrücken fanden heraus, dass auch die glasbildenden Metallschmelzen einen solchen Übergang von einem dünnflüssigen zu einem dickflüssigen Zustand aufweisen. Der Grund für den Übergang ist, dass sich die Atome in der Flüssigkeit ordnen, jedoch noch keine feste Kristallstruktur ausbilden. Die Wissenschaftler wollten nun wissen, ob dieser Übergang von der fragilen in eine starke Substanz ein generelles Phänomen ist, das in jeder Materie abläuft. Für die Publikation in „Nature Physics“ haben sie dafür eine Legierung aus Eisen und Kobalt unter die Lupe genommen. Diese hat zwar eine Kristallstruktur, aber auch hier organisieren sich die Atome von einem ungeordneten Mischkristall zu einem geordneten Kristall. Dieser Übergang ist theoretisch bereits gut verstanden.

„Japanische Forscher hatten bei diesem Werkstoff schon vor rund 70 Jahren Effekte beobachtet, die sie damals nicht erklären konnten. Sie ähneln dem Einfrieren, das wir bei Flüssigkeiten am Glasübergang beobachten“, sagt Professor Busch. Sein Team hat daher gemeinsam mit Austen Angell, Glasforscher an der Arizona State University (USA), mit dieser Legierung experimentiert. Es stellte sich heraus, dass das Einfrieren in der Eisen-Kobalt Legierung genauso abläuft wie in den Silikatgläsern und ähnlich wie in glasbildenden Metallschmelzen. Dies erhellt zum einen, warum es heute möglich ist, metallische Massivgläser herzustellen. Zum anderen hat es theoretischen Konsequenzen, die die Autoren ausführlich in ihrem Artikel in „Nature Physics“ diskutieren.

Diese grundlegende physikalische Arbeit ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass mit den metallischen Massivgläsern („bulk metallic glasses“) ein neuer Konstruktionswerkstoff im Kommen ist. „Dieses Material ist fester als Stahl, aber so elastisch wie Kunststoff. Es ist also ein idealer Federwerkstoff. Metallisches Glas lässt sich dabei mit den gleichen Methoden wie Kunststoff verarbeiten, zum Beispiel durch Spritzguss oder durch Blasformen“, erläutert Professor Busch. Anwendungen sieht der Saarbrücker Wissenschaftler beispielsweise im Feinguss, bei mikromechanischen Bauteilen oder bei dünnen, hochfesten Gehäuseteilen für elektronische Geräte.

Externer Link: www.uni-saarland.de

MonArch sichert das kulturelle Erbe

Pressemitteilung der Universität Passau vom 03.12.2010

Das Forschungsprojekt MonArch der Universitäten Passau und Bamberg erschließt aus kulturhistorischer und informatischer Sicht die Archive von Monumentalbauwerken und archäologischen Stätten. Digitalisierte historische Baupläne in Kombination mit Computer-Modellen ermöglichen zum Beispiel effizientere Reparaturarbeiten an Kirchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihre Förderung mit Blick auf die guten Praxiserfahrungen etwa mit den Nürnberger Kirchen St. Sebald und St. Lorenz sowie der Staatlichen Dombauhütte Passau um weitere zwei Jahre verlängert.

„Unser Ziel ist die Bewahrung unseres kulturellen Gedächtnisses und Erbes mit digitalen Mitteln. Im MonArch-Projekt suchen wir gemeinsam mit Experten aus den Fachrichtungen Baudenkmalpflege und Kulturinformatik nach zukunftsorientierten Lösungen“, erklärt Prof. Dr. Burkhard Freitag vom Lehrstuhl für Informationsmanagement der Universität Passau. Freitag ist Leiter des Instituts für Informationssysteme und Softwaretechnik (IFIS) in der Fakultät für Informatik und Mathematik und hat für die kommenden zwei Jahre die Leitung des Forschungsprojekts inne.

Kulturhistoriker erschließen und bewerten die wertvollen Bestände in den Archiven etwa der Nürnberger Kirchengemeinden St. Sebald und St. Lorenz. Informatiker haben parallel eine Softwarelösung entwickelt, die diese Bestände digital archiviert und die alten Karten, Zeichnungen, Dokumente und Fotografien mit aktuellen Kartierungen der Bauwerke verknüpft. Das so entstandene Informationssystem ermöglicht Denkmalpflegern, Bauexperten und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit Zugang zur Kulturgeschichte eines Ortes.

Im zweiten Projektabschnitt von MonArch wird dazu ein web-basierter, komfortabler Recherchezugang entwickelt, über den auf den frei verfügbaren Teil des Bestandes zugegriffen werden kann. Daneben arbeiten die Wissenschaftler daran, die entstehenden digitalen Archive zu einem Verbund zusammenzuschließen. So sollen Querbezüge zwischen den Sammlungen an verschiedenen Standorten hergestellt werden können.

Sieben Einrichtungen nutzen das MonArch Archivsystem bereits erfolgreich in der Praxis, einige weitere stehen in den Startlöchern. Die Staatliche Dombauhütte Passau, die Kirchengemeinden St. Lorenz und St. Sebald in Nürnberg, das Land Rheinland-Pfalz mit den Kaiserthermen in Trier und die Universität Bamberg im Rahmen ihres Usbekistan-Projekts „Denkmal und Kontext in Buchara“ setzen auf die von der Universität Passau entwickelte Archivsoftware. Im Lauf des Projekts wird ein Nutzernetzwerk aufgebaut, das den Erfahrungsaustausch fördern, neue Nutzer gewinnen und die Nachhaltigkeit der Projektergebnisse sicherstellen soll.

Das Projekt wird zusammen mit den Bamberger Wissenschaftlern Prof. Dr. Rainer Drewello, Professur für Restaurierungswissenschaft in der Baudenkmalpflege, und Prof. Dr. Christoph Schlieder, Lehrstuhl für Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften, sowie der für die Bauwerke in Nürnberg verantwortlichen Architektin Alexandra Fritsch durchgeführt. In der MonArch-Projektgruppe an der Universität Passau, die im Wesentlichen über Fördergelder sowie Forschungs- und Entwicklungsaufträge finanziert wird, arbeiten unter der Leitung von Professor Burkhard Freitag die Informatiker Alexander Stenzer, Jörn Plötz und Claudia Woller sowie viele Studentinnen und Studenten.

Externer Link: www.uni-passau.de

Der Computer als Öko-Postamt

Presseaussendung der TU Wien vom 29.11.2010

Ein Postamt daheim am PC, ganz ohne Warteschlange: Die Zukunft des Briefverkehrs soll schneller und umweltfreundlicher werden.

Wien (TU). – In vielen Bereichen haben Email und andere elektronische Kommunikationsmöglichkeiten den klassischen Briefverkehr abgelöst. Ganz ohne Papier wird es aber freilich auch in Zukunft nicht gehen. In einem gemeinsamen Projekt hat das Wiener Start-Up-Unternehmen Livepost mit der Technischen Universität (TU) Wien ein System entwickelt, das die Vorteile des Briefes mit dem Komfort einer Email verbindet. Ziel ist ein billiger, schneller und vor allem umweltfreundlicher Briefverkehr.

Vom Ausdruck am Computer bis zur Briefzustellung sind eine ganze Reihe von Arbeitsschritten notwendig: Falten, kuvertieren, adressieren, frankieren – all das braucht Zeit und Energie. Büromaterialien, vom Drucker-Toner bis zu den Kuverts, müssen aufbewahrt und verwaltet werden. Speziell bei Unternehmen, die große Mengen an Post versenden, wird das zum wichtigen Kostenfaktor. Viel einfacher ist es, wenn der Brief nicht zum Drucker, sondern über das Internet zu einem Versandspezialisten gesendet wird. Dort wird dann die gesamte restliche Arbeit erledigt – vom Druck bis zur Zustellung.

Briefversand mit TU-Know-How

Auch wenn dieses Grundkonzept ganz einfach klingt: Auf dem Weg dazu war eine ganze Reihe komplexer technischer Fragen zu klären. Die Automatisierungstechnik zu diesem Projekt wurde an der TU Wien, am Institut für Computertechnik (Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik) entwickelt. Die Daten müssen zuverlässig und sicher in eine PDF-Datei umgewandelt werden – und zwar von verschiedenen Systemen und Computerprogrammen aus. Außerdem sind Sicherheitsmaßnahmen nötig, um den Datenschutz sicherzustellen und die Briefe vor fremden Blicken zu schützen.

Effizient und umweltfreundlich

Besonders wichtig ist für Livepost und die TU Wien der Umweltaspekt des Projektes. Beim klimaneutralen Brief werden sämtliche bei Herstellung und Versand anfallenden Klimagase, wie CO2 und NOX, durch Investitionen in international anerkannte Klimaschutzprojekte kompensiert. Livepost ist dazu eine Partnerschaft mit dem renommierten schweizer Klimapartner myClimate eingegangen. Gedruckt wird ausschließlich mit hochwertigen Farben auf Harzbasis, die für Mensch und Umwelt völlig ungiftig und biologisch abbaubar sind. Auch das verwendete Papier auf Eukalyptus-Basis wurde nach Umwelt-Kriterien ausgewählt.

Langfristig soll ein Netz aus Briefdruck-Stationen aufgebaut werden. Damit könnte dann ein Brief möglichst nahe am Bestimmungsort ausgedruckt werden – die Transportwege verkürzen sich, die Zustellung wird schneller, billiger und umweltfreundlicher. (Florian Aigner)

Externer Link: www.tuwien.ac.at

technologiewerte.de – Börsenblick November 2010

Rückblick November 2010

Performance

Der TecDAX der Deutschen Börse AG gab im November 2010 um circa 7% nach. Unter den Index-Top-Performern finden sich die Aktien von Pfeiffer Vacuum, QSC sowie Evotec; zu den Underperformern zählen die Papiere von Roth&Rau, Q-Cells und Nordex.

Ausblick Dezember 2010

Kalender

o Aixtron:

01.12.2010 Berenberg Bank European Conference Bagshot/Surrey

06.12.2010 Exane BNP Paribas European Equity Seminar New York

08.12.2010 Barclays Global Technology Conference San Francisco

09.12.2010 Chevreux European IR Summit London

14.12.2010 ESN Equinet European Mid & Small Cap Conference London

o Carl Zeiss Meditec:

16.12.2010 Veröffentlichung Geschäftsbericht 2010 Frankfurt

16.12.2010 Analystenkonferenz Frankfurt

o QSC:

01.-02.12.2010 Berenberg Bank European Conference London

o SMA Solar:

07.12.2010 Macquarie Alternative Energy Conference 2010 London

o Software AG:

01.12.2010 Roadshow Edinburgh

02.12.2010 Berenberg Bank European Conference Surrey

o Stratec:

01.12.2010 Berenberg Bank Conference London