„Künstliche Atome“ direkt elektronisch auslesen

Presseinformation der Ruhr-Universität Bochum vom 25.02.2011

Bochumer Physiker bauen 0-dimensionale Systeme

Nature Communications: Quantenpunkte be- und entladen

Für die Informationsverarbeitung der Zukunft suchen Forscher nach Möglichkeiten, neben Strömen von Elektronen auch deren Drehung zu nutzen. In Kombination könnten diese Eigenschaften wesentlich mehr Informationen speichern als nur „null“ und „eins“. Da das bei einzelnen Atomen schwierig ist, bauen RUB-Physiker um Prof. Dr. Andreas Wieck „künstliche Atome“ in Festkörper ein. Unter seiner Beteiligung ist es einem Forscherteam aus Duisburg-Essen, Hamburg und Bochum nun gelungen, Zustände solcher künstlichen Atome direkt elektronisch auszulesen – mit gängigen Schnittstellen zu klassischen Computern. Das ist ein großer Schritt hin zur Anwendbarkeit solcher Systeme. Sie berichten in Nature Communications.

Eine Million statt einzelne Atome

Im Prinzip ist die Nutzung des Spins von Elektronen an einzelnen Atomen möglich, aber die Kleinheit der Signale und die Schwierigkeit, einzelne Atome definiert zu halten, beschränkt diese Technik auf hochspezialisierte Labors. Es bedarf eines ultrahohen Vakuums und aufwändiger Lasertechnik. „Wesentlich eleganter ist es, atomähnliche Systeme in Festkörper einzubauen“, sagt Prof. Wieck. Hier hilft die Quantenmechanik: Für Standard-Elektronendichten in Halbleitern beträgt die Wellenlänge von Elektronen (und Löchern) einige 10 Nanometer (nm), was etwa einen Abstand von 100 Atomen bedeutet. Man braucht also nicht einzelne Atome zu isolieren oder einzubringen. Es genügt, Bereiche zu definieren, die in jeder Richtung etwa 100 Atome Ausdehnung haben, also etwa 100^3 = eine Million Atome umfassen. „Aber selbst das ist nicht ganz einfach, denn die heutige Hochintegration beherrscht „erst“ rund 50nm Auflösung“, erklärt Prof. Wieck.

Trick: Orangen auf Mandarinen stapeln

Hier hilft ein Trick, der mit dem Atomabstand im Kristallgitter zu tun hat: Elektronen halten sich lieber in Indium-Arsenid (InAs) auf als in Gallium-Arsenid (GaAs). Da Indium ein wesentlich größeres Atom als Gallium ist, muss man sich eine Schichtung einer InAs-Schicht auf GaAs etwa so vorstellen, wie wenn man Orangen auf Mandarinen schichtet: Die erste Orangen (InAs-) Schicht wird aufgelegt, indem die Orangen auf Mandarinen (GaAs-) Breite „gequetscht“ werden, was zu einer „verspannten“ Schicht führt. Auch die zweite Orangen (InAs-) Lage muss verspannt werden, aber wenn man mehrere solcher Lagen übereinander schichtet, „vergisst“ das Orangen-System seine Mandarinen-Unterlagen-Ordnung. Die Verspannung „relaxiert“, das heißt sie wirft Fehlstellen und Lücken und türmt die Orangen zu einzelnen Haufen auf. Solche InAs-Haufen – InAs-Quantenpunkte oder „QDs“ (nach der englischen Bezeichnung Quantum Dots) genannt – wachsen also selbstorganisiert. Sie sind einige 10nm breit und etwa 5nm hoch, und damit für den quantenmechanischen Ladungsträgereinschluss ideal geeignet. Es passt gerade eine Wellenlänge der Elektronen bzw. Elektronenlöcher hinein. Die QDs zwingen die Elektronen in quantisierte Energien, womit sie als „künstliche Atome“ für Informations-Verarbeitungs-Zwecke einsetzbar sind.

10 Millionen mal kleiner als ein Hamburger

Die Bochumer Forscher stellen schon seit einigen Jahren die homogensten QD-„Ensembles“ her: Alle erzeugten QDs haben praktisch die gleiche Größe und ähneln als unten abgeflachte Linse einem „Hamburger“-Oberteil, sind aber rund 10 Millionen mal kleiner. „In jeden QD eines ca. eine Million umfassenden QD-Ensembles füllen wir definiert einige wenige Elektronen ein, wobei wir mit den Leichtesten beginnen, Wasserstoff, Helium und Lithium“, erläutert Prof. Wieck. Bisher wurden die Energieniveaus, die diese Elektronen besetzen, nur mit optischen Methoden ausgelesen. „Das ist zwar sehr elegant, bedarf aber eines großen Messaufwands mit spezialisierten Lasern, Detektoren und Spektralapparaten“, so Wieck. In der aktuellen Arbeit beschritten die Forscher einen gänzlich anderen Weg: Sie präparierten die QDs auf einer leitenden Elektronenschicht und maßen nur den elektrischen Widerstand dieser Schicht, der sich mit der Elektronenbesetzung der QDs ändert. „Dadurch haben wir einen direkten, elektronischen Zugriff auf die besetzten Zustände in den QDs und können diese mit gängigen Interfaces zu klassischen Computern auslesen.“ (Meike Drießen)

Titelaufnahme:
B. Marquardt, M. Geller, B. Baxevanis, D. Pfannkuche, A. D. Wieck, D. Reuter, and A. Lorke: Transport spectroscopy of non-equilibrium many-particle spin states in self-assembled quantum dots. In: Nature communications, 22.2.2011, doi: 10.1038/ncomms1205

Externer Link: www.ruhr-uni-bochum.de

Neues Verfahren macht Sauerstoff in Zellen sichtbar

Pressemitteilung der Universität Regensburg vom 18.02.2011

Chemiker weisen ungleichmäßige Verteilung nach

Sauerstoff ist für die meisten Lebewesen unentbehrlich. Dies gilt auch für den Menschen. Nur wenn Sauerstoff ausreichend vorhanden ist, sind die Atmung und der Stoffwechsel in jeder Zelle gewährleistet. Um beide Schlüsselprozesse – Atmung und Stoffwechsel – und deren Fehlfunktionen besser zu verstehen, untersucht die Forschung die Sauerstoffverteilung und den Sauerstoffverbrauch in den Zellen. So wären „Landkarten“ bzw. Bilder der Sauerstoffverteilung ein bedeutender Schritt. Mit herkömmlichen Messmethoden stießen Forscher dabei in den letzten Jahrzehnten immer wieder an ihre Grenzen. In jüngster Zeit wird deshalb verstärkt mit kleinsten bzw. molekularen Indikatoren und Sensoren gearbeitet, die in Gegenwart von Sauerstoff ihre Farbe ändern. Solche Indikatoren können in den Zellen mit Hilfe eines Mikroskops beobachtet werden, haben aber den Nachteil, dass sie an Zellbestandteile binden, was die Messung erschwert oder im schlimmsten Fall unmöglich macht.

Forschern der Universität Regensburg um Prof. Dr. Otto Wolfbeis und Dr. Hans-Heiner Gorris vom Institut für Analytische Chemie, Chemo- und Bioanalytik ist nun in diesem Zusammenhang ein wichtiger Durchbruch gelungen. Den Wissenschaftlern gelang es, einen empfindlichen Sauerstoff-Indikator in kleine Kügelchen aus Polystyrol – einem Kunststoff – einzuschließen. Die Kügelchen sind zwar für Sauerstoff durchlässig, aber sie schützen die Indikatoren vor dem Einfluss der Zellbestandteile. Sie werden von Zellen aufgenommen und können anschließend unter dem Mikroskop beobachtet werden.

Für ihre Untersuchungen platzierten die Chemiker zudem einen anderen Farbstoff in den Kügelchen, der gegenüber Sauerstoff unempfindlich ist und somit als Referenz dienen konnte. Über den Vergleich zwischen Sauerstoff-Indikator und Referenzfarbstoff konnten die Forscher standardisierte Messungen durchführen, die gegenüber äußeren Einflüssen unempfindlich waren.

Eine weitere Besonderheit der Kügelchen besteht darin, dass der Sauerstoff-Indikator lediglich auf dem roten Kanal einer digitalen RGB-Farbkamera aufgenommen werden kann, wohingegen der Referenzfarbstoff nur auf dem grünen Kanal erfasst wird. Das bedeutet, dass ein einziges RGB-Foto genügt, um ein Bild der zweidimensionalen Sauerstoffverteilung zu erhalten. Aufgrund der neuen Bilder erhielten die Regensburger Wissenschaftler Hinweise auf eine ungleichmäßige Sauerstoffverteilung in den Zellen und auf den Sauerstoffverbrauch in bestimmten Zellregionen.

Die Indikator-Kügelchen reagieren innerhalb von wenigen Sekunden auf Veränderungen der lokalen Sauerstoffkonzentration, so dass sie in Zukunft verstärkt zur Bestimmung des Zellstoffwechsels und der Zellatmung eingesetzt werden können. Zudem geht die Forschung derzeit davon aus, dass Krebszellen anhand ihres Sauerstoffverbrauchs von gesunden Zellen unterschieden werden können. Mit der neuen Sensortechnologie ist es nun möglich, diese Vermutung experimentell zu überprüfen.

Die Ergebnisse der Regensburger Wissenschaftler sind vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Chemical Science“ der britischen Royal Society of Chemistry erschienen (DOI: 10.1039/C0SC00610F). (Alexander Schlaak)

Externer Link: www.uni-regensburg.de

Quantensimulation mit Licht: Frustration bei der Paarbildung

Pressemeldung der Universität Wien vom 21.02.2011

Quantensysteme werden als frustriert bezeichnet, wenn konkurrierende Wechselwirkungen nicht gleichzeitig befriedigt werden können. Einem Forschungsteam der Universität Wien und des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der ÖAW um Philip Walther und Anton Zeilinger gelang es, erstmals Quanteneffekte von komplexen Vielteilchensystemen zu simulieren. Die im Fachjournal „Nature Physics“ veröffentlichten Ergebnisse verheißen künftigen Quantensimulatoren enormes Potenzial, Einblicke in noch ungeklärte Phänomene der Quantenwelt zu geben.

Selbst das Verhalten von relativ kleinen Quantensystemen kann mit herkömmlichen Computern mangels Rechenleistung nicht berechnet werden, weil ein Quantenzustand viel mehr Information enthält. Wird aber ein anderes Quantensystem als Quantensimulator verwendet, können Antworten über die Eigenschaften von dem komplexen Quantensystem gewonnen werden.

Frustrierte Quantensysteme als Ausgangspunkt für Quanteneffekte

Viele internationale Forschungsgruppen befassen sich mit der Quantensimulation von sogenannten frustrierten Quantensystemen – wenn konkurrierende Wechselwirkungen nicht gleichzeitig befriedigt werden können. „Sie sind Ausgangspunkt für Quanteneffekte wie zum Beispiel die Hochtemperatur-Supraleitung, bei der Elektronen ohne Widerstand fließen können“, erklärt Anton Zeilinger, Professor für Quantenphysik an der Universität Wien und Direktor des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der ÖAW. Der Quantenphysiker und das Forschungsteam mit Wissenschaftern aus China, Serbien, Neuseeland und Österreich konnten erstmalig Frustration bei der „Paarbildung“ genau untersuchen.

Dynamiken simuliert

In der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Nature Physics“ publizieren sie zu der experimentellen Simulation eines frustrierten Quantensystems mithilfe zweier verschränkter Photonenpaare. „Erst seit kurzem ist unsere Quantentechnologie so weit fortgeschritten, dass wir nicht nur andere Quantensysteme nachbauen, sondern auch deren Dynamiken simulieren können“, sagt Philip Walther, Verantwortlicher des Forschungsprojektes. „Wir können heutzutage quantenmechanisch präparierte Photonen gezielt verwenden, um Einblicke in andere Quantensysteme zu erhalten.“ Daher haben zwei in Polarisation verschränkte Photonen in vielerlei Hinsicht die gleichen quantenphysikalischen Eigenschaften wie Elektronenpaare in Materie.

Konflikt einzelner Quantenteilchen

In diesem Experiment stehen einzelne Quantenteilchen (Photonen) dem Konflikt gegenüber, sich mit nur einem Partner exklusiv paaren zu können, es aber mit mehreren zu wollen – z.B. ein Elektron, dessen Spin, vergleichbar mit einen Minimagneten, wegen seines rechten Nachbarn nach oben und wegen seines linken Nachbarn nach unten zeigen sollte. „Die Lösung für solche Situationen liefert nur die Quantenphysik, da ein Spin in gewissem Sinne beides sein kann in Form von Überlagerungen. Dies führt zur Frustration. Das Quantensystem greift in die ‚Trickkiste‘ und erlaubt Quantenfluktuationen, sodass verschiedene, sich sonst ausschließende Paarbildungen als Superposition koexistieren können“, so Walther. Somit bestätigt die Arbeit der Wiener Gruppe, dass Quantensimulation ein sehr gutes Mittel zur Berechnung von Quantenzuständen der Materie ist. Sie eröffnet den Weg zur Untersuchung weitaus komplexerer Situationen.

Über Verschränkung

Verschränkung ist eine Eigenschaft der Quantenmechanik, die nicht mit dem alltäglichen Verständnis der Welt vereinbar ist und kein Gegenstück in der klassischen Physik besitzt. Sind zwei Lichtteilchen (Photonen) miteinander verschränkt, bleiben sie über beliebig große Distanzen verbunden. Führt man eine Messung, z.B. des Polarisationszustandes, an einem der beiden Teilchen durch, ändert sich auf „spukhafte Weise“ auch der Zustand des anderen Teilchens. Verschränkte Systeme liefern vollkommen neue Ansätze zur Informationsverarbeitung, etwa auch die Simulation von anderen Quantensystemen.

Publikation:
Xiao-song Ma, Borivoje Dakic, William Naylor, Anton Zeilinger, Philip Walther: Quantum simulation of the wavefunction to probe frustrated Heisenberg spin systems. In: Nature Physics, Advanced Online Publication (AOP), 20 February 2011. DOI 10.1038/NPHYS1919.

Externer Link: www.univie.ac.at

Personalisierte Medizin für präzise Diagnosen

Medienmitteilung der ETH Zürich vom 18.02.2011

Die Identifikation von Biomarkern ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur personalisierten Krebstherapie. Wissenschaftler der ETH Zürich, Pathologen des Universitätsspitals Zürich und Onkologen des Kantonsspitals St.Gallen haben ein neues Verfahren entwickelt, das bestimmte Muster von Biomarkern nachweist und Krebserkrankungen verlässlicher diagnostiziert als bisher.

Mit einem kleinen Piks in den Finger kann man vielleicht schon bald verschiedenste Arten von Krebs zuverlässig diagnostizieren und charakterisieren. Verfahren, die Tumor-Antigene im Blut nachweisen, liefern heute oft falsche Resultate. Die Patienten müssen sich deshalb teuren und manchmal schmerzhaften Biopsien unterziehen. Einem interdisziplinären Forschungsteam um Wilhelm Krek, Professor für Zellbiologie an der ETH Zürich, ist es gemeinsam mit Pathologen des Universitätsspitals Zürich und Onkologen des Kantonsspitals St.Gallen gelungen, eine hochpräzise Diagnosemethode für Prostatakrebs zu entwickeln. Das Verfahren, das auf der Identifikation von Biomarkern basiert, könnte bald auch der Frühdiagnose anderer Krebsarten dienen, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins PNAS berichten.

Vier Proteine in 20’000 Modellen

Ausgangspunkt der Forschungsarbeit war das Gen „Pten“, das in 60 Prozent aller Prostatakrebs-Patienten inaktiv ist und zu unkontrolliertem Zellwachstum führt. In einem ersten Schritt deaktivierten die Wissenschaftler dieses „Pten“-Gen in der Prostata von gesunden Mäusen. Anschliessend identifizierten sie Hunderte von Prostata-Oberflächenproteinen von unbehandelten Mäusen, aber auch von solchen, die aufgrund des inaktiven Gens Prostatakrebs entwickelt hatten. Aus dem Vergleich der beiden Proteinsätze ermittelten die Forscher ein Proteinmuster, das typisch ist für die mutierte Version von „Pten“ und somit für den Prostatakrebs.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forschenden, ob die Erkenntnisse aus dem Mausmodell auch auf menschliche Patienten anwendbar sind. Dazu untersuchten sie Gewebe- und Serumproben von 39 Prostatakrebs-Patienten und einer Kontrollgruppe. Anhand des Mausmodells hatten die Wissenschaftler eine Liste mit spezifischen Proteinen erstellt. Aus dieser identifizierten sie nun jene 39 Proteine im Menschen, die auf Prostatakrebs hinweisen. Informatiker der ETH Zürich berechneten über 20’000 Modelle und fanden jene vier Proteine, mit denen die zuverlässigste Diagnose gestellt werden kann.

ETH-Spin-off entwickelt Diagnose-Kit

Die Verlässlichkeit des Biomarker-Musters haben die Wissenschaftler schliesslich an einer neuen Patientengruppe getestet. «Wir konnten mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen, ob eine Person an Prostatakrebs erkrankt war und die Testergebnisse reproduzieren», erklärt Wilhelm Krek. Er ist deshalb davon überzeugt, dass das Verfahren in einigen Jahren in der Praxis eingesetzt werden kann. Die Weiterentwicklung der vielversprechenden Methode hat bereits der ETH-Spin-off Proteomedix AG übernommen, der zurzeit ein Diagnose-Kit vorbereitet.

Proteinmuster als zuverlässiger Biomarker

Der Biomarker-Strategie liegt das Konzept zugrunde, dass eine Mutation – wie beispielsweise die Deaktivierung eines Gens – die Entstehung von Krebs auslöst und das Proteinmuster des betroffenen Organs verändert. Ungefähr 20 Prozent der Oberflächenproteine von bestimmten Geweben wie zum Beispiel der Prostata werden abgespalten und können im Serum nachgewiesen werden. Die Bestimmung der Proteinmuster ist deshalb sehr erfolgsversprechend.

Wissenschaftler versuchen schon seit Jahren mit verschiedenen Hightech-Methoden, Biomarker zu identifizieren – bislang jedoch ohne Erfolg. «Die Analysen waren bisher nicht sehr zielgerichtet und die ermittelten Proteinmuster widerspiegelten womöglich die Essgewohnheiten von Patienten, eigneten sich aber nicht dazu eine Krebserkrankung zu erkennen», erklärt Wilhelm Krek. Dass dies nun gelungen ist, führt Krek auf den interdisziplinären Ansatz des Forschungsprojekts zurück. «In der Wissenschaft erreicht man ein Ziel oft erst, wenn Forscher aus unterschiedlichsten Gebieten zusammenarbeiten – in diesem Fall waren es Zellbiologen, Proteomikexperten, Pathologen, klinische Onkologen und Informatiker.»

Originalpublikation:
Cima I., Schiess R., Wild P., Kaelin M., Schüffler P., Lange V., Picotti P., Ossola R., Templeton A., Schubert O., Fuchs T., Leippold T., Wyler S., Zehetner J., Jochum W., Buhmann J., Cerny T., Moch H., Gillessen S., Aebersold R., Krek W.
Cancer genetics-guided discovery of serum biomarker signatures for diagnosis and prognosis of prostate cancer. Published online before Print. PNAS, February 7, 2011.
doi: 10.1073/pnas.1013699108

Externer Link: www.ethz.ch

Neue Methode zur Enträtselung molekularer Strukturen

Presseinformation des KIT (Karlsruher Institut für Technologie) vom 17.02.2011

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie und der TU München erhalten durch die Messung dipolarer Restkopplungen ein Bild des Moleküls

Chemiker des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode zur Identifizierung chemischer Verbindungen vorgestellt. Das angewandte Verfahren stellt eine Verfeinerung der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) dar, die sich über Jahrzehnte für die Strukturaufklärung organischer Moleküle bewährt hat. Die jetzt in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen einen einfachen Zugang zu Strukturinformationen, wenn klassische Analysemethoden versagen.

Das Team von Professor Burkhard Luy vom KIT und Juniorprofessor Stefan F. Kirsch von der TUM hat erstmals gezeigt, dass bestimmte NMR-Parameter, sogenannte dipolare Restkopplungen (RDCs), entscheidend zur Aufklärung des grundlegenden Aufbaus von chemischen Verbindungen beitragen können, wenn traditionelle Methoden versagen. Hierzu betteten sie die Moleküle, aus denen die Verbindung besteht, in ein Gel ein, das ihre Beweglichkeit leicht einschränkt. Durch Streckung des Gels lassen sich die Moleküle in einer Vorzugsrichtung anordnen. Während sich in Lösung die dipolaren Restkopplungen herausmitteln, sind sie in solchen teilweise orientierten Proben messbar und liefern schließlich Daten, die sich zu einem Abbild des Moleküls zusammensetzen lassen.

Die Forscher überprüften diesen neuen Ansatz zur Strukturaufklärung, indem sie ein Molekül untersuchten, dessen atomare Zusammensetzung zwar bekannt war, nicht jedoch, wie genau die einzelnen Atome des Moleküls miteinander verknüpft sind. Das Molekül war über eine einzigartige Reaktion erhalten worden, so dass es keine Präzedenzfälle zu seiner Struktur gab; klassische Analysemethoden versagten aufgrund der Kompaktheit des Moleküls. Die Strukturaufklärung gelang in diesem konkreten Fall einzig durch dipolare Restkopplungen, so dass mit dem gewonnen Wissen Rückschlüsse zur Bildung des Moleküls möglich waren, über die man vorher nur spekulieren konnte.

„Nicht alle Strukturen werden sich zukünftig auf diesem Wege analysieren lassen“, so die Wissenschaftler Luy und Kirsch. „Es wird weiterhin Moleküle geben, die sich ihrer Enträtselung trotz aller Bemühungen und modernster Methoden hartnäckig verweigern werden. Die Anwendung der neuen Methode bietet jedoch ein weiteres Werkzeug, um die strukturellen Rätsel der Natur zu entschlüsseln.“

Die Forschungsarbeit wurde unterstützt aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Heisenberg-Programm, Forschergruppe FOR 934) und dem Fonds der Chemischen Industrie. Die Messungen haben die Wissenschaftler auf Geräten des Bayerischen NMR-Zentrums durchgeführt. (lg)

Literatur:
Grit Kummerlöwe, Benedikt Crone; Manuel Kretschmer, Stefan F. Kirsch und Burkhard Luy: Dipolare Restkopplungen als effektives Instrument der Konstitutionsanalyse: die unerwartete Bildung tricyclischer Verbindungen. Angewandte Chemie, 2011
DOI 10.1002/ange.2010007305 (für Angewandte Chemie)
DOI 10.1002/anie.2010007305 (für Angewandte Chemie – International Edition)

Externer Link: www.kit.edu