Neues Antibiotikum treibt Bakterien in den Selbstmord

Pressemitteilung der Universität Bonn vom 04.10.2011

Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf entdecken die Wirkweise einer neuartigen Substanz

Multiresistente Keime sind in Kliniken ein großes Problem, weil viele Erreger inzwischen unempfindlich gegen Antibiotika geworden sind. Wissenschaftler suchen deshalb fieberhaft nach neuen Wirkstoffen. Ein Forscherteam unter Federführung der Universitäten Bonn, Düsseldorf und Newcastle hat nun die Wirkweise eines neuartigen Antibiotikums entschlüsselt, das selbst multiresistente Keime abtötet. Die Ergebnisse sind jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences USA (PNAS) erschienen.

Gefährliche bakterielle Infektionen wie eine Lungenentzündung oder eine Tuberkulose sind in der Regel mit Antibiotika gut in den Griff zu bekommen. „Allerdings sind so genannte multiresistente Keime auf dem Vormarsch“, berichtet Erstautor Dr. Peter Sass vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie der Universität Bonn. „Bewährte Substanzen entfalten oft nicht mehr ihre Wirkung, weil die Bakterien gegen diese Waffen unempfindlich geworden sind.“ In ihren Laboren suchen Forscher weltweit deshalb nach neuen Antibiotika, um gefährliche Infektionskrankheiten zu bekämpfen.

So auch Dr. Sass, der zu einer gemeinsamen Forschergruppe der Universitäten Bonn und Düsseldorf gehört, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. „Wir haben bereits in verschiedenen Studien gezeigt, dass so genannte Acyldepsipeptide gegen grampositive Bakterien wirken, darunter auch der gefürchtete human-pathogene und multiresistente Erreger Staphylococcus aureus“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Heike Brötz-Oesterhelt vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Düsseldorf. „Allerdings war bislang unbekannt, wo genau diese Substanzen angreifen und ihre antibiotische Wirkung entfalten.“

Neues Antibiotikum führt zur Fehlsteuerung eines wichtigen Enzyms

Während herkömmliche Antibiotika normalerweise bestimmte Reaktionen in Bakterienzellen hemmen, greifen die Acyldepsipeptide (ADEPs) an einer ganz anderen Schlüsselstelle in den Stoffwechsel der Bakterien ein. Sie führen zu einer Fehlsteuerung eines wichtigen Enzyms. „Diese ClpP-Protease bewirkt normalerweise das Recycling von defekten Proteinen des Bakteriums, welches ein ganz strikt kontrollierter Prozess ist“, berichtet Prof. Brötz-Oesterhelt. „Die ADEPs setzen diese strikte Kontrolle der ClpP-Protease außer Kraft, wodurch nun auch bestimmte gesunde Proteine abgebaut werden“, sagt Dr. Sass. „Die Bakterien begehen regelrecht Selbstmord, da die eigene ClpP-Protease nun das für die Zellteilung wichtige FtsZ-Protein zerschneidet und verdaut.“ Dadurch gerät die normale Steuerung außer Rand und Band, die Zellteilung und dadurch die Vermehrung der Erreger wird verhindert.

Die Wissenschaftler nutzten für ihre Untersuchungen eine auf ihrem Forschungsgebiet neue Methode aus der Grundlagenforschung. Dr. Sass machte am Zentrum für Bakterielle Zellbiologie an der Universität Newcastle (England) mit einem extrem hoch auflösenden Fluoreszenzmikroskop Aufnahmen von Bakterien. „Wir markierten das FtsZ-Protein und viele weitere Proteine in den Bakterien mit einem grün fluoreszierenden Farbstoff und machten dann Echtzeitaufnahmen von den mit ADEPs behandelten und auch von unbehandelten Erregern“, berichtet Dr. Sass. Durch diesen Vergleich konnten die Forscher beobachten, was im Stoffwechsel der gefährlichen Bakterien anders lief, wenn sie mit dem neuartigen Antibiotikum behandelt waren. „Nach der Gabe von ADEP gelangten im Bakterium wichtige Proteine nicht mehr zu der Stelle im Stoffwechsel, wo sie für die Zellteilung gebraucht werden“, ergänzt Prof. Brötz-Oesterhelt.

Wirkung gegen mehrere gefährliche Bakterienarten

Das neuartige Antibiotikum wirke nicht nur gegen den gefürchteten multiresistenten Erreger Staphylococcus aureus (MRSA), sondern auch gegen Streptokokken, die etwa Mittelohr-, Lungen-, oder Hirnhautentzündungen auslösen können, so die Forscher. Außerdem stoppt es die Vermehrung von Enterokokken, die zum Beispiel für Harnwegsinfekte, Blutvergiftung oder eine Entzündung der Herzinnenhaut verantwortlich gemacht werden. „Die ADEPs befinden sich allerdings zurzeit noch im Stadium der Grundlagenforschung“, erklärt Prof Brötz-Oesterhelt. In der Regel benötigt eine Substanz noch etwa acht bis zehn Jahre, um von diesem Stadium bis zur Markteinführung zu gelangen. „Allerdings sehen wir in den ADEPs noch mehr als ein neues Antibiotikum zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Da sie gegen Bakterien mit Hilfe eines neuartigen Mechanismus wirken, können sie uns auch helfen, die Lebensweise der Bakterien besser zu verstehen“, meint Dr. Sass. „Wir müssen wissen, wie pathogene Bakterien ticken, damit wir sie erfolgreich bekämpfen können.“ (Johannes Seiler)

Publikation:
Antibiotic acyldepsipeptides activate ClpP peptidase to degrade the cell division protein FtsZ. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

Externer Link: www.uni-bonn.de

Exotische Quantenzustände: Neuer Forschungsansatz

Presseinformation der Universität Innsbruck vom 03.10.2011

Ein neues Konzept zur Erzeugung exotischer, sogenannter topologischer Quantenzustände in Vielteilchensystemen schlagen Theoretiker der Universität Innsbruck in der Fachzeitschrift Nature Physics vor. Sie verbinden Ideen aus der Quantenoptik mit Konzepten der Festkörperphysik und liefern damit einen neuen Ansatz für den Bau eines störungsunempfindlichen Quantencomputers.

Vor drei Jahren hat ein Team um Sebastian Diehl und Peter Zoller einen ganz neuen Weg zur Herstellung von Quantenzuständen in Vielteilchensystemen präsentiert. Sie bedienten sich dazu eines physikalisches Phänomens, das normalerweise den Grad der Unordnung in einem System dramatisch erhöht: Dissipation. In der klassischen Physik beschreibt Dissipation beispielsweise die Bildung von Wärmeenergie durch Reibung, sie bringt also Unordnung in ein System. Überraschender Weise lässt sich in der Quantenwelt damit auch Ordnung herstellen und ein perfekt reiner Vielteilchenzustand erzeugen. Im Frühjahr haben Experimentalphysiker um Rainer Blatt im Labor in Innsbruck gezeigt, dass sich mit diesem Ansatz bestimmte Quanteneffekte gezielt erzeugen und verstärken lassen. Nun machen die Theoretiker des Instituts für Theoretische Physik der Universität Innsbruck und des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einen neuen Vorschlag, wie Dissipation vielversprechend eingesetzt werden könnte. Sie schlagen dabei eine Brücke von der Quantenoptik zur Festkörperphysik.

Gegenüber Störungen unempfindlich

In der Festkörperphysik gewinnt in jüngster Zeit ein neues Paradigma für die Beschreibung von Ordnung in Vielteilchensystemen zunehmend an Bedeutung: die topologische Ordnung. Beispiele für topologische Phänomene sind der in den 1980er-Jahren nachgewiesene Quanten-Hall-Effekt sowie topologische Isolatoren, die sich im Inneren als elektrischer Isolator verhalten während sie gleichzeitig auf ihrer Oberfläche die Bewegung von Ladungen erlauben. Die Innsbrucker Theoretiker um Sebastian Diehl und Peter Zoller schlagen nun vor, mit einer dissipativen Dynamik in einem Quantensystem sogenannte Majorana-Fermionen zu erzeugen. Dieses nach dem italienischen Physiker Ettore Majorana benannte topologische Phänomen beschreibt Teilchen, die gleichzeitig ihre eigenen Antiteilchen sind. „Wir zeigen nun einen neuen Weg auf, wie solche Majorana-Fermionen in einem Quantensystem gezielt erzeugt werden können“, erklärt Sebastian Diehl, „und nutzen dazu eine dissipative Dynamik, die das System gerichtet in diesen Zustand treibt und bei jeder Störung wieder dahin zurückzwingt.“ Durch diesen Ansatz verbinden Diehl und sein Team die Vorteile der Dissipation mit jenen der topologischen Ordnung, denn beide Ansätze zeichnen sich durch hohe Robustheit gegenüber kleinen Störungen aus. Ihr Vorschlag, in einem atomaren Quantendraht Majorana-Fermionen mittels Dissipation zu erzeugen, ist deshalb für die experimentelle Umsetzung von besonderem Interesse und könnte beim Bau eines zukünftigen Quantencomputers zum Einsatz kommen, bei denen die elementaren Recheneinheiten aus den Majorana-Fermionen bestehen. In den Quantendrähten sind einzelne Atome nebeneinander aufgereiht und werden von einem mit Laserlicht erzeugten optischen Gitter daran gehindert, aus der Reihe zu tanzen. Die Majorana-Fermionen werden an den beiden Enden der atomaren Kette erzeugt.

Checkliste abgearbeitet

START-Preisträger Sebastian Diehl und sein Team verbinden in diesem Konzept das Wissen der Festkörperphysik mit jenem der Quantentheorie. „Wir arbeiten hier an der Schnittstelle zwischen diesen beiden Disziplinen, was aufregende neue Möglichkeiten schafft“, sagt Diehl. Dazu war es notwendig, zweifelsfrei nachzuweisen, dass sich das Konzept der topologische Ordnung überhaupt auf den dissipativen Kontext übertragen lässt. „Wir haben die vollständige topologische Checkliste abgearbeitet und gezeigt, dass deren Voraussetzungen auch in einem System mit dissipativer Dynamik gelten.“ Den mathematischen Nachweis haben die Physiker nun in der Fachzeitschrift Nature Physics veröffentlicht.

Publikation:
Topology by Dissipation in Atomic Quantum Wires. S. Diehl, E. Rico, M. A. Baranov, P. Zoller. Nature Physics. 2. Oktober 2011 DOI: 10.1038/nphys2106

Externer Link: www.uibk.ac.at

technologiewerte.de – Börsenblick September 2011

Rückblick September 2011

Performance

Der TecDAX der Deutschen Börse AG gab im September 2011 um circa 12% nach. Unter den Index-Top-Performern finden sich die Aktien von Evotec, Xing sowie PSI; zu den Underperformern zählen die Papiere von Solarworld, SMA Solar und Q-Cells.

Ausblick Oktober 2011

Kalender

o Adva Optical:

20.10.2011 Veröffentlichung der Q3 2011 IFRS Ergebnisse

o Aixtron:

05.10.2011 Credit Suisse LED Technology Day London

12.10.2011 German Corporate Forum London

27.10.2011 Q3/2011 Ergebnis

28.10.2011 Roadshow London

o BB Biotech:

20.10.2011 Zwischenbericht per 30. September 2011

o Carl Zeiss Meditec:

12.10.2011 J.P.Morgan German Corporate Forum London

o Gigaset:

03.-06.10.2011 Roadshow USA

o Jenoptik:

13.-14.10.2011 Capital Market Days 2011 Jena

o Kontron:

25.10.2011 Veröffentlichung Quartalsbericht Q3

o Morphosys:

28.10.2011 Veröffentlichung 9-Monatsbericht 2011

o Nordex:

13.10.2011 Capital Markets Day Rostock

o PSI:

28.10.2011 Bericht zum 3. Quartal 2011

o QSC:

06.10.2011 Analystenkonferenz

12.10.2011 JPMorgan Cazenove German Corporate Forum London

o Software AG:

27.10.2011 Vorläufiges Ergebnis drittes Quartal 2011 (IFRS, unaudited)

o Stratec:

26.10.2011 Veröffentlichung des Zwischenberichts zum 30.09.2011

26.10.2011 Telefonkonferenz für Analysten, Investoren und Pressevertreter