Wenn Therapie eine Typfrage ist

Presseinformation der LMU München vom 29.05.2009

Nanotherapie kann Leberentzündung gezielt unterdrücken

Alkoholmissbrauch, virale Infektionen, Operationen und auch Transplantationen der Leber können eine Entzündung des Organs auslösen – und zu einem lebensbedrohlichen akuten Leberversagen führen. Ein zentraler Akteur der Entzündungsreaktion ist bereits bekannt: Der Transkriptionsfaktor NF-kB reguliert die Aktivität bestimmter Gene, so dass Entzündungsfaktoren produziert werden. „Dieses Molekül ist eine äußerst attraktive Zielstruktur für Wirkstoffe, die potent gegen Leberentzündungen vorgehen“, berichtet die LMU-Pharmazeutin Professor Angelika Vollmar. „Einen Haken gibt es aber: NF-kB wird in zwei Typen von Leberzellen produziert. Die Hepatozyten schützt er vor Schädigung und Zelltod und ist damit wichtig für das Überleben des ganzen Organs. Zu Entzündungen führt er nur in den Kupfferzellen, wo er selektiv blockiert werden sollte.“ Einem Team um Vollmar ist eben dies nun erstmals im Tiermodell gelungen, wie online in der renommierten Gastroenterologie-Fachzeitschrift GUT berichtet. Die Forscher banden kleine Moleküle, die NF-kB abfangen können, an winzige Nanopartikel, die selektiv nur von Kupfferzellen aufgenommen werden. „Im Tiermodell konnten wir akute Leberentzündungen sehr spezifisch hemmen“, sagt Vollmar. „Zudem erlaubt uns dieser Ansatz, die molekularen Entzündungsmechanismen besser zu untersuchen – möglicherweise auch ihre Rolle bei der Entstehung von Lebertumoren.“ (GUT online, 26. Mai 2009)

Transkriptionsfaktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Genaktivität. NF-kB ist einer der wichtigsten Vertreter und kommt in nahezu allen Zelltypen vor. Damit aber beeinflusst das Molekül auch eine Vielzahl verschiedener zellulärer Prozesse, etwa bei der Immunabwehr des Körpers und auch beim gezielten Untergang von Zellen. Auch für die Entstehung von Entzündungen ist NF-kB essentiell. In den immunologisch aktiven Kupfferzellen der Leber, einem Typ von Makrophagen, kann dies allerdings gefährliche Konsequenzen haben. Denn hier kann die Entzündung ein lebensbedrohliches akutes Leberversagen auslösen.

Die akute Entzündungsreaktion der Kupfferzellen kann mit Hilfe generell wirkender Medikamente im Prinzip behandelt werden. Dann wird NF-kB aber auch in den Leberparenchymzellen, den sogenannten Hepatocyten, gehemmt. Diesen Zelltyp schützt der Transkriptionsfaktor jedoch vor Schädigung und vor dem Zelltod. Eine anti-entzündliche Therapie würde diese Schutzwirkung – und damit das Überleben und die Regeneration der ganzen Leber – gefährden. „Gewünscht ist deshalb eine selektive Wirkung gegen NF-kB in den Kupfferzellen, die sich nicht auf die Hepatocyten auswirkt“, sagt Professor Angelika Vollmar vom „Center for Drug Research“ am Department für Pharmazie der LMU. „Bislang war das technisch nicht möglich.“

Unter der Leitung Vollmars ist einem Team von LMU-Forschern, dem auch Professor Gerhard Winter, Privatdozent Dr. Conrad Coester, Pharmazeutische Technologie, und Professor Alexander Gerbes von der Medizinischen Klinik 2 des Klinikums der Universität München angehören, nun eine derart spezifische Blockade gelungen. „Wir haben kleine NF-kB-Hemmer an Gelatine-Nanopartikel gebunden“, berichtet Vollmar. „Diese nur Millionstel Millimeter großen Vehikel werden von den Kupfferzellen, nicht aber von den Hepatocyten aufgenommen.“ Entsprechend selektiv wurde NF-kB auch nur am gewünschten Zielort gehemmt: Im Tiermodell wurden so unter unterschiedlichen Bedingungen schwere Leberschäden verhindert.

„Dieser Ansatz liefert uns aber nicht nur eine effiziente und nebenwirkungsarme Therapie zur spezifischen Hemmung von NF-kB in den Kupfferzellen“, meint Vollmar. „Die Nanopartikel haben sich auch als nützliches chemisches Werkzeug erwiesen, um die komplexen Mechanismen einer Leberentzündung besser zu verstehen. So konnten wir beispielsweise zeigen, dass die Rolle von NF-kB bei einer Leberentzündung nicht nur vom Zelltyp abhängt, sondern auch vom Stimulus, der die Entzündungskaskade auslöst. Wir wollen jetzt mit Hilfe des neuen Verfahrens auch untersuchen, ob die von Kupfferzellen ausgelösten Entzündungen bei der Entstehung von Lebertumoren eine Rolle spielen.“

Die aus grundwissenschaftlicher wie therapeutischer Hinsicht wichtige Entwicklung des zellspezifischen NF-kB-Hemmers ist das Ergebnis einer Kooperation von Forschern aus dem pharmazeutisch-biologisch und -technologischen Bereich mit experimentellen Medizinern aus der Hepatologie, dem mit der Leber und den Gallenwegen befassten medizinischen Fachgebiet. Die Studie wurde durchgeführt im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschergruppe 440 „Prävention des Ischämie-Reperfusionsschadens“ unter der Leitung von Professor Alexander Gerbes. (suwe)

Publikation:
„A novel technique for selective Nf-kB inhibition in Kupffer cells – contrary effects in fulminant hepatitis and ischemia/reperfusion“,
Florian Hoffmann, Gabriele Sass, Jan Zillies, Stefan Zahler, Gisa Tiegs, Andreas Hartkorn, Sebastian Fuchs, Jenny Wagner, Gerhard Winter, Conrad Coester, Alexander L. Gerbes, Angelika M. Vollmar,
GUT online, 26. Mai 2009

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Geheimnis des Zufallslasers gelüftet

Presseinformation des KIT (Karlsruhe Institute of Technology) vom 20.05.2009

Stärke des Lichteinschlusses lässt sich in nanokristallinen Pulvern aus Zinkoxid nachweisen

So genannte Zufallslaser (engl.: Random Laser) sind ein spannendes Gebiet aktueller Laserforschung. Mit technologisch sehr einfach herzustellenden und billigen Materialien (Pulvern) wird eine – für Laser untypische – räumlich breit gefächerte Emission von Laserlicht erreicht. Dem genauen Mechanismus dieser ungewöhnlichen Art der Laseremission kamen jetzt Physiker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf die Spur. Ihre Ergebnisse wurden in der Maiausgabe der angesehenen Fachzeitschrift Nature Photonics veröffentlicht (Nature Photonics 3, 279 (2009)).

Zwei essentielle Bausteine bilden einen Laser: ein Medium, das in der Lage ist, Licht zu verstärken und eine Struktur, die das Licht möglichst lange in diesem Medium hält. In konventionellen Lasern wird diese Struktur typischerweise durch eine aus möglichst perfekten Spiegelpaaren aufgebaute Resonatorstruktur erreicht. Der Resonator führt das Licht auf einem präzise vorgegebenen und in sich geschlossenen Strahlengang, wodurch sich das Licht speichern lässt.

Einen grundsätzlich anderen Ansatz zur Realisierung eines Lasers verfolgen Wissenschaftler in einem Zufallslaser. Hier wird das Licht (meist an den Körnchen in einem Pulver) entlang zufälliger Pfade gestreut. Bei ausreichend starker Streuung lässt sich dabei das Licht in einem beschränkten räumlichen Bereich einfangen. Diese Lokalisierung von Licht untersuchen Wissenschaftler der KIT-Arbeitsgruppe Halbleiteroptik und Photonik von Professor Heinz Kalt und Professor Claus Klingshirn in Pulvern aus Nano-Kristallen.

Die verwendeten Nano-Kristalle bestehen aus dem Halbleiter Zinkoxid und weisen eine Größe von einigen hundert Nanometern (1 nm = 1 Millionstel Millimeter) auf. Da diese Größe im Bereich der Wellenlänge des Lichts liegt, streut das Licht extrem stark an den Kristallen. Derartige Partikel werden beispielsweise in weißer Farbe, dem so genannten Zinkweiß, benutzt und dienen als weißes Pigment. Licht kann das Zinkweiß nicht durchdringen, sondern wird von ihm zurückgestreut. Erst dadurch entsteht der weiße Farbeindruck. Ähnliches passiert bei Salz oder Zucker, jedoch sind hier die Körner um ein Vielfaches größer.

Kristalle aus Zinkoxid eignen sich jedoch nicht nur zur Streuung von Licht. Sie lassen sich auch zur Emission ultravioletten Lichts und darüber hinaus sogar als verstärkendes Lasermedium anregen. In dicht gepressten Pulvern aus derartigen Nano-Kristallen wird dabei das erzeugte Licht in dem Pulver zunächst zurückgehalten. „Man kann sagen, dass durch die andauernde zufällige Richtungsänderung nach einer Streuung an den Kristallen das Licht keinen schnellen Weg aus dem Pulver findet“, erklärt der Physiker Dr. Johannes Fallert, ein Mitarbeiter der Arbeitsgruppe am KIT und Kollegiat der Karlsruhe School of Optics and Photonics (KSOP). Durch die dermaßen erhöhte Aufenthaltsdauer des Lichts im verstärkenden Medium erreicht es eine drastisch erhöhte Intensität, bevor es aus dem Pulver emittiert wird.

Analog zu einem konventionellen Laser lässt sich auf diese Weise – durch den Wellencharakter des Lichts und die dadurch entstehenden Interferenzeffekte – auch in einem Zufallslaser das Laserlicht in spektral scharf definierten Resonanzen (Moden) erzeugen. Das Auftreten derartiger Moden eines Zufallslasers steht dabei in einem engen Zusammenhang mit der Lokalisierung des Lichtes. „Unserer Arbeitsgruppe am KIT ist es nun gelungen, mit mikroskopischer Spektroskopie wesentliche Erkenntnisse über die räumliche Ausdehnung dieser Moden, also die Stärke des Lichteinschlusses zu gewinnen“, so Professor Heinz Kalt.

Die Messungen beenden eine seit längerem geführte Diskussion um den genauen Mechanismus der Lichtemission von Zufallslasern. In theoretischen Arbeiten zur Erklärung der Zufallslaser wurden zwei Modelle für den Lichteinschluss diskutiert: die einzelnen Moden sind sehr stark lokalisiert (d.h. der Weg des Laserlichtes führt jeweils nur über einige wenige Nanokristalle). Das zweite Modell besagt: die Moden sind delokalisiert (d.h. die Lichtpfade erstrecken sich jeweils über einen großen Bereich des Pulvers). Die Ergebnisse der Wissenschaftler am KIT zeigen nun, dass beide Arten von Moden gleichzeitig auftreten können. Dabei entscheidet ein komplexes Wechselspiel zwischen der optischen Verstärkung des angeregten Pulvers und der Lebensdauer der Lichtmoden darüber, welche Modenart dominiert.

Für zukünftige Anwendungen solcher Zufallslaser sehen die Forscher ein hohes Potential. Zinkoxid-Pulver wird bereits industriell in riesigen Mengen hergestellt und das Material ist äußerst kostengünstig. Anwendung findet es in weißen Farben, jedoch auch in Sonnencremes, Wundheilungssalben und als Nahrungsergänzung in der Viehzucht. Derartige Laser kommen ohne teure Präzisionsoptik aus und können in flexibler Form, beispielsweise als dünnes Schichtsystem oder in flüssiger Lösung, realisiert werden. Weitere Vorteile dieser Laser liegen darin, dass das aus dem Zinkoxid emittierte UV-Licht über einen Farbstoff in Licht jeglicher Farbe umgewandelt werden kann und außerdem die Abstrahlung des Laserlichts in einem weiten Raumwinkel erfolgt. Dies spielt eine wichtige Rolle für Anwendungen in der Beleuchtung. (lg)

Externer Link: www.kit.edu

Antihaftbeschichtung für Nanoröhrchen

Pressemeldung der Universität Erlangen-Nürnberg vom 18.05.2009

Erlanger Forscher entwickeln neue Technologie für industrielle Herstellung

Widerstandsfähigere Materialien, bessere Kleber, kleinere Rechner – die Wissenschaft verspricht sich viel von Nanoröhrchen und ihren erstaunlichen Eigenschaften: Die hauchdünnen Kohlenstoffröhrchen sind nämlich extrem stabil und elektrisch leitfähig. Einzig ihre Herstellung in größeren Mengen bereitet noch Probleme. Chemiker um Prof. Dr. Dirk M. Guldi und Prof. Dr. Andreas Hirsch von der Universität Erlangen-Nürnberg haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der einige dieser Probleme gelöst werden können. Das Team hat seine Forschungergebnisse in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Chemistry veröffentlicht.

Nanoröhrchen sind mehr als zehntausend Mal dünner als ein menschliches Haar, können aber tausendfach länger sein. Sie bestehen aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen, die in Sechseckstrukturen zu einem dünnen, langen Hohlzylinder aufgerollt sind. Werden die Röhrchen in größeren Mengen hergestellt, zeigen sie ganz unterschiedliche elektronische, thermische oder mechanische Eigenschaften – abhängig davon wie lang, dick oder verdreht sie sind. Wie Spaghetti auf einem Teller kleben sie dann aneinander und verwickeln sich. Schlimms­tenfalls können die Nanoröhrchen dadurch unbrauchbar werden, weil sie so ihre speziellen Eigenschaften untereinander beeinflussen. Halbleiter-Röhrchen wie sie in Transistoren eingesetzt werden können zum Beispiel ihre Wirkung verlieren, wenn sie an Gegenstücken mit metallischen Eigenschaften haften.

Die Erlanger Wissenschaftler haben jetzt eine Art molekularen Anker entwickelt, der sich an der Außenwand der Kohlenstoffzylinder anlagert. Er wirkt dort wie Seife, verhindert, dass die Nano-Röhrchen aneinander kleben und macht die Röhrchen wasserlöslich. „Ein Meilenstein.“, betont Professor Guldi. „Diese Entwicklung erleichtert die Prozessierbarkeit von Kohlenstoff-Nanoröhrchen enorm und macht sie vor allem viel umweltfreundlicher.“ Der molekulare Anker ist darüber hinaus lichtempfindlich und kann elektrische Ladungen an das Nanoröhrchen abgeben. So lassen sich dessen Eigenschaften gezielt verändern. Dieser Ansatz der Erlanger Forscher verspricht völlig neue industrielle Anwendungen.

Externer Link: www.uni-erlangen.de

Wenn Nanoforscher andere Saiten aufziehen

Presseinformation der LMU München vom 23.04.2009

Auf dem Weg zur „künstlichen Nase“

Selbst einzelne Moleküle müssen in chemischen Analysen aufgespürt werden. Für diesen hochempfindlichen Nachweis wurden in der Nanoforschung winzige Saiten entwickelt, die charakteristische Schwingungen zeigen. Dockt das gesuchte Molekül an eine der Saiten an, wird diese schwerer und schwingt messbar langsamer. Bislang fehlte es allerdings an der praktischen Umsetzung solcher „Nano-Elektromechanischer Systeme“, kurz NEMS. LMU-Physikern gelang in diesem Bereich jetzt ein Durchbruch: Sie konstruierten aus einem nichtleitenden Material Nanosaiten, die elektrisch einzeln angeregt werden und zu Tausenden auf einem Chip gefertigt werden können. So ließe sich etwa eine hochempfindliche „künstliche Nase“ realisieren, um unterschiedliche Moleküle – etwa Schadstoffe – einzeln nachzuweisen. Die neuartigen NEMS könnten aber auch als winzige Taktgeber in Handy-Uhren und in einer Vielzahl von anderen Anwendungen zum Einsatz kommen. (Nature, 22. April 2009)

Der sichere, schnelle und kostengünstige Nachweis einzelner Moleküle ist für die chemische Analytik von großer Bedeutung. Ein mögliches Verfahren stammt aus der Nanotechnologie: Das sind sogenannte „Nano-Elektromechanische Systeme“ oder NEMS. Hier kommen Saiten mit Durchmessern von 100 Nanometern – entsprechend einem zehntausendstel  Millimeter – zum Einsatz, die zu charakteristischen Schwingungen angeregt werden können. Werden diese Saiten entsprechend chemisch beschichtet, docken Moleküle dort an – und zwar jeweils nur eine Art von Molekül je Saite.

Durch die Verbindung mit dem Molekül wird die Saite etwas schwerer, so dass sie etwas langsamer schwingt. „Eine Messung der Schwingungsperiode ermöglicht also, chemische Substanzen molekülgenau nachzuweisen“, erklärt Quirin Unterreithmeier, der Erstautor der Studie. „Im Idealfall sitzen auf einem Chip von der Größe eines Fingernagels dann mehrere Tausend Saiten, die jeweils hochspezifisch ein bestimmtes Molekül erkennen – damit ließe sich etwa eine äußerst empfindliche ‚künstliche Nase‘ bauen.“

Bislang aber scheiterte die Umsetzung solcher Systeme noch an technischen Schwierigkeiten, unter anderem an der Anregung und Messung der Schwingungen. Zwar können die Nanosaiten über eine magnetomechanische, piezoelektrische oder auch elektrothermische Anregung zum Schwingen gebracht werden. Dies setzt aber voraus, dass die Nanosaiten aus Metall bestehen oder zumindest metallisch beschichtet sind, was wiederum die Schwingungen stark dämpft und eine empfindliche Messung verhindert. Einzelne Moleküle können damit kaum detektiert werden. Darüber hinaus wird das Unterscheiden der Signale verschiedener schwingender Saiten erschwert.

Das neu entwickelte Verfahren umgeht nun diese Schwierigkeiten. Quirin Unterreithmeier, Dr. Eva Weig und Professor Jörg Kotthaus vom Center for NanoScience (CeNS) und der Fakultät für Physik der LMU und dem Exzellenzcluster „Nanosystems Initiative Munich (NIM)“ konstruierten ein NEMS, in dem Nanosaiten einzeln mittels dielektrischer Wechselwirkung angeregt werden – welche etwa auch für „elektrisch aufgeladene“ Haare im Winter sorgt. Entsprechend diesem physikalischen Prinzip werden die Nanosaiten aus dem elektrisch nicht leitenden Material Silizium-Nitrid in einem elektrischen Feld zur Schwingung angeregt, und diese Schwingung dann gemessen.

Das zur Anregung erforderliche elektrische Wechselfeld wurde zwischen zwei Goldelektroden nahe der Saite erzeugt. Die Messung der Schwingung leisteten zwei weitere Elektroden. „Diesen Aufbau haben wir mittels Ätzverfahren hergestellt“, berichtet Weig. „Er ließe sich aber ohne großen Aufwand in zehntausendfacher Wiederholung auf einem Chip realisieren. Durch eine geeignete Verschaltung muss nur die Adressierbarkeit der einzelnen Saiten gewährleistet sein.“ Alles in allem sollte dies eine technisch leichte Übung sein – und einen Durchbruch in der chemischen Analytik erlauben. Doch auch jenseits der „künstlichen Nase“ sind Anwendungen denkbar. So könnten die Nanosaiten unter anderem in Handy-Uhren als Taktgeber zum Einsatz kommen. Auch als ultrascharfer Filter für elektrische Signale in der Messtechnik ließen sich die neuartigen Resonatoren verwenden.

Die Studie entstand im Rahmen des Exzellenzclusters „Nanosystems Initiative Munich (NIM)“, das es sich zum Ziel gesetzt hat, funktionale Nanostrukturen für Anwendungen in der Informationsverarbeitung und den Lebenswissenschaften zu entwickeln, zu erforschen und zur Einsatzreife zu bringen. (NIM/suwe)

Publikation:
„Universal transduction scheme for nanomechanical systems based on dielectric forces“,
Quirin P. Unterreithmeier, Eva M. Weig, Jörg P. Kotthaus
Nature, 23 April 2009
doi:10.1038/nature07932

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Chip-Labor auf Eis gelegt

Presseinformation der LMU München vom 16.04.2009

Ein Laserstrahl lenkt Wasser durch haarfeine Kanäle

Das Chemie-Labor der Zukunft passt auf einen Fingernagel. In einem solchen „Lab-on-a-Chip“ lassen sich mit geringem Aufwand kleinste Mengen biologischen Materials untersuchen. Das Verfahren soll die medizinische Diagnostik revolutionieren, etwa bei der Erkennung von Krebserkrankungen und dem Nachweis genetischer Veränderungen. Eine Herausforderung ist dabei immer noch die gezielte Bewegung von Flüssigkeiten auf kleinem Raum. Ein Forscherteam um den LMU-Biophysiker Professor Dieter Braun hat nun ein Verfahren entwickelt, bei dem ein Laserstrahl als treibende Kraft die Tröpfchen durch Eiskanäle pumpt – um künftig auch komplexe Lab-on-a-Chip-Anwendungen durch Licht zu ermöglichen. Die Arbeit wurde im Rahmen des Exzellenzclusters „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) durchgeführt. (Applied Physics Letters, April 2009)

Wenn biochemische Labortechniken auf einem kleinen Chip ablaufen können, reduziert dies die erforderliche Menge der oft teuren Chemikalien, die dafür verwendet werden müssen. Zudem aber verbessert sich das Signal-zu-Rausch-Verhältnis in der Detektion, und viele Reaktionen können parallel analysiert werden. Dennoch konnten sich entsprechende Lab-on-a-Chip-Techniken bislang noch nicht flächendeckend durchsetzen.

Bei den meisten zurzeit verwendeten Systemen muss die zu untersuchende Flüssigkeit durch ein haardünnes Kanalsystem gepumpt werden. Diese Technik läuft allerdings dem Gedanken der Miniaturisierung zuwider, da externe Pumpen und lange Verbindungen und damit auch größere Probenvolumina benötigt werden. Zudem sind die externen Anschlüsse oft komplex und fehleranfällig.

Praktischer erscheint da die Möglichkeit, Materie aus der Ferne mittels Licht zu bewegen. Seit längerem gibt es sogenannte „optische Pinzetten“, die winzige Glaskügelchen mit einem fokussieren Lichtstrahl in Wasser festhalten und bewegen. Es liegt nahe, das Prinzip auch auf Tropfen zu übertragen und somit Flüssigkeiten schnell und hochpräzise per Laserlicht zu bewegen. Dieses Verfahren wird auch von den Wissenschaftlern in der Gruppe von Professor Dieter Braun an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München eingesetzt.

Um auf diesem Weg ein Chip-Labor aufbauen zu können, müssen allerdings auch biologische Moleküle im Wasser transportiert werden können. Das Problem dabei: Wird das Wasser direkt mit einem Laserstrahl bewegt, gehen die biologischen Moleküle auf dem Weg durch thermische Bewegungen verloren. Hier haben der Doktorand Franz Weinert und der Bachelorstudent Max Wühr jetzt eine Lösung gefunden: Sie frieren das Wasser ein und schmelzen dann mit einem Laserstrahl winzige Kanäle ins Eis.

Durch den Einsatz kurzer Laser-Impulse wird das Eis tausendmal pro Sekunde aufgeschmolzen und friert danach jeweils wieder zu. Mit dieser Technik können die Wissenschaftler das Wasser mit einer sehr hohen Geschwindigkeit von etwa fünf Zentimetern pro Sekunde fließen lassen. „Wir sind über die hohen Pumpgeschwindigkeiten sehr überrascht und erfreut“, meint Professor Braun dazu.

Die Physik dahinter: Der Dichteunterschied zwischen Wasser und Eis treibt die aufgeschmolzene Wasserblase Stück für Stück weiter. Wird der Transport-Laser ausgeschaltet, verharren die Moleküle im Eis an Ort und Stelle. Neben der hohen Geschwindigkeit hat der schnelle Wechsel zwischen fest und flüssig noch einen großen Vorteil: Das dabei gebildete Eis ist für Biomoleküle ungefährlich, weil es keine Kristalle bilden kann. Dieter Braun blickt in die Zukunft: „Das erlaubt uns nun, auch komplexe Lab-on-a-Chip-Anwendungen durch Licht aufzubauen.“ (NIM)

Die aktuell in „Applied Physics Letters“ vorgestellte Arbeit entstand im Rahmen des Exzellenzclusters „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM), das es sich zum Ziel gesetzt hat, funktionale Nanostrukturen für Anwendungen in der Informationsverarbeitung und den Lebenswissenschaften zu entwickeln, zu erforschen und zur Einsatzreife zu bringen. (NIM/suwe)

Publikation:
„Light driven microflow in ice“,
Franz M. Weinert, Max Wühr, and Dieter Braun,
Applied Physics Letters, 94,113901 (2009),
DOI: 10.1063/1.3097206

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