Saar-Universität vergibt Lizenz für ein geschütztes augenchirurgisches Instrument

Pressemitteilung der Universität des Saarlandes vom 08.04.2019

Ein neues Instrument zur Vereinfachung von Hornhauttransplantationen wurde jetzt von der Geuder AG, einem der führenden Hersteller für augenchirurgische Instrumente, lizenziert. Die Universität des Saarlandes hatte die Erfindung von Dr. Shady Suffo als Gebrauchsmuster schützen lassen. Es handelt sich dabei um einen neuartigen Hornhautmarkierer, der bei der so genannten Keratoplastik, also der Hornhauttransplantation, zum Einsatz kommt. Diese ist eine relativ häufige und an vielen Kliniken durchgeführte Augenoperation. Allein am saarländischen Universitätsklinikum gab es im vergangenen Jahr über fünfhundert dieser Operationen. Die Patentverwertungsagentur der saarländischen Hochschulen war für die Vermarktung der Erfindung verantwortlich.

Bei einer Hornhauttransplantation wird die erkrankte Hornhaut durch eine gesunde Spenderhornhaut ersetzt. Es wird dabei eine Kreuzstichnaht erzeugt, um die Hornhaut dauerhaft am Augapfel zu fixieren. Diese Technik, die „Kreuzstichnaht nach Hoffmann“, stellt für ungeübte Operateure eine große Hürde dar. Schon seit einiger Zeit sind daher verschiedene Hilfsmittel, so genannte Hornhautmarkierer, auf dem Markt erhältlich. Durch die Erfindung von Dr. Shady Suffo werden gleich mehrere Probleme der bestehenden Hilfssysteme gelöst. Zum einen entfällt die Schwierigkeit, das Instrument per Augenmaß zu zentrieren. Zum anderen wird die Markierung auf punktuelle Weise erzeugt, so dass es für den Operateur nun wesentlich einfacher ist, die Stichtiefe während des Nahtvorgangs zu erkennen.

Die Erfindung wurde durch die Patentverwertungsagentur der saarländischen Hochschulen als Gebrauchsmuster für die Universität des Saarlandes geschützt. Das Gerät wurde bereits erfolgreich getestet und von Dr. Shady Suffo in Workshops mit Nachwuchsärzten eingesetzt. Kürzlich hat sich nun die Firma Geuder entschlossen, ihre Produktpalette um den „Kreuzstichnahtmarker nach Suffo“ zu erweitern.

Externer Link: www.uni-saarland.de

technologiewerte.de – MOOCblick April 2019

Spannende Themen, herausragende Dozenten und flexible Lernmöglichkeiten tragen zum wachsenden Erfolg der Massively Open Online Courses (MOOCs) bei – offene, internetgestützte Kurse mit einer Vielzahl an Teilnehmern rund um den Globus.

Folgender Kurs – zu finden auf der MOOC-Plattform edX – sollte einen Blick wert sein:

Digital Transformation: Business Development and Marketing
Henrik Blomgren (KTH Royal Institute of Technology) et al.
Start: 24.04.2019 / Arbeitsaufwand: 20-30 Stunden

Externer Link: www.edx.org

Fehler in Stromnetzen mit Künstlicher Intelligenz automatisiert erkennen

Presseinformation (Forschung Kompakt) der Fraunhofer-Gesellschaft vom 01.04.2019

Die Stromnetze verändern sich: Gab es in der Vergangenheit vor allem große, zentrale Stromerzeuger, kommen nun zunehmend kleine, dezentrale Erzeuger dazu. Um solche komplexen Netze stabil zu halten, ist hochauflösende Sensorik gefragt. Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich genaue Prognosen anfertigen sowie Fehler und Anomalien automatisiert in Echtzeit erkennen. Fraunhofer-Forscher haben die erforderlichen Komprimierungsverfahren, Algorithmen und neuronalen Netze entwickelt, um die Stromübertragung fit für die Zukunft zu machen.

Die Stromversorgung wandelt sich: Statt den Strom ausschließlich über große Kraftwerke zu generieren, kommen zahlreiche dezentrale Stromquellen wie Windräder, Photovoltaikzellen und Co. hinzu. Dieser Umschwung wirkt sich auch auf die Stromnetze aus – vor allem die Betreiber von Übertragungsnetzen sehen sich großen Herausforderungen gegenüber. Laufen relevante Netzparameter wie Phase oder Winkel aus dem Ruder? Gibt es Abweichungen vom regulären Netzbetrieb, also Anomalien? Oder sind Leitungen oder Kraftwerke ausgefallen? Um solche Fragen beantworten zu können, reicht die übliche Messtechnik nicht mehr in jeder Situation aus. Sie wird daher zunehmend um Phasormessungen, kurz PMU, sowie um Digitalisierungstechnologien ergänzt: Die entsprechenden Messsysteme erfassen die Amplitude von Strom und Spannung bis zu 50-mal pro Sekunde. Aus den Daten lassen sich verschiedene relevante Parameter wie Frequenz, Spannung oder Phasenwinkel ermitteln. Die Datenmenge, die dabei entsteht, ist enorm – pro Tag kommen schnell mehrere Gigabyte an Daten zusammen.

Datenkompression: 80 Prozent der Daten einsparen

Forscher des Institutsteils Angewandte Systemtechnik AST des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB in Ilmenau wollen die Datenauswertung nun durch Künstliche Intelligenz optimieren, die Netzsicherheit erhöhen und die Stromübertragung somit fit machen für die Zukunft. »Wir können bis zu 4,3 Millionen Datensätze pro Tag automatisiert erfassen, komprimieren und über Verfahren der Künstlichen Intelligenz auswerten«, fasst Prof. Peter Bretschneider, Leiter der Abteilung Energie am Fraunhofer IOSB-AST, zusammen. In einem ersten Schritt haben die Forscherinnen und Forscher Komprimierungsverfahren entwickelt, mit denen sich 80 Prozent der Daten einsparen lassen. Somit lassen sich die Daten nicht nur leichter speichern, sondern auch schneller und effizienter auswerten.

Datenauswertung: Automatisch und in Echtzeit

In einem zweiten Schritt lernten die Wissenschaftler mit den erhobenen Phasormessdaten neuronale Netze – also die Basis der Künstlichen Intelligenz – an. Sprich: Sie »fütterten« die neuronalen Netze mit Beispielen typischer Betriebsstörungen. Die Algorithmen lernen auf diese Weise Schritt für Schritt, normale Betriebsdaten von bestimmten Betriebsstörungen zu unterscheiden sowie exakt zu kategorisieren. Nach dieser Trainingsphase wendeten die Wissenschaftler die neuronalen Netze bei den aktuellen Daten aus den Phasormessungen an. Bisher konnten diese nur manuell und im Nachhinein ausgewertet werden. Der Algorithmus schafft hier erstmalig den Sprung in die Echtzeit: Er entscheidet automatisch innerhalb von Millisekunden, ob eine Anomalie oder ein Fehler vorliegt und gibt zusätzliche Auskunft über Ort und Art der Betriebsstörung. Ein Beispiel: Fällt etwa ein Kraftwerk aus, so steigt die Last für die anderen Kraftwerke abrupt an. Die Generatoren werden durch die große Last langsamer, die Frequenz des Wechselstroms sinkt. Nun sind schnelle Gegenmaßnahmen gefragt: Sinkt die Frequenz unter einen vorgegebenen Grenzwert, so müssen gegebenenfalls Netzabschnitte aus Gründen der Systemstabilität abgeschaltet werden. Schnell, das heißt mitunter: Unter 500 Millisekunden. Da der Algorithmus seine Entscheidung innerhalb von 20 bis 50 Millisekunden trifft, bleibt genügend Zeit, um vollautomatische Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Der Algorithmus ist einsatzbereit, an der Steuerung und Regelung der Gegenmaßnahmen arbeiten die Forscher zurzeit. Die Entwicklung ist nicht nur für Betreiber großer, sogenannter Übertragungsnetze interessant, sondern auch für die der regionalen Verteilnetze. »Um eine Analogie zum Verkehr zu ziehen: Was nützt es, wenn die Autobahnen frei sind, doch die regionalen Straßen permanent verstopft?«, erläutert Bretschneider.

Vorhersage noch unbekannter Probleme

Die Forscher widmen sich jedoch nicht nur bereits bekannten Problemen, sondern wollen auch Anomalien berücksichtigen, die bisher noch gar nicht auftreten. »Gehen wir den Weg der erneuerbaren Energien weiter, kann dies künftig zu Phänomenen führen, die wir derzeit noch nicht kennen«, sagt Bretschneider. Auch hier setzen die Wissenschaftler auf die Künstliche Intelligenz. Genauer gesagt: Sie arbeiten daran, solche Phänomene zu kategorisieren und die erforderlichen Algorithmen zu entwickeln – und zwar anhand digitaler Netzabbildungen.

Externer Link: www.fraunhofer.de

Wasserwellen und Quantensplitter

Presseaussendung der TU Wien vom 26.03.2019

Wasserwellen in einem Glas sind etwas ganz anderes als die Scherben, in die das Glas zerbricht. Aber in der Quantenphysik ultrakalter Atome ist beides verwandt, zeigt eine Studie mit Beteiligung der TU Wien und der Universität Wien.

Wenn man ein Wassergefäß sanft schüttelt, werden an der Wasseroberfläche charakteristische Wellenmuster sichtbar – man bezeichnet sie als „Faraday-Wellen“. Denselben Effekt konnte ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der TU Wien nun auch in einer Wolke ultrakalter Atome nachweisen. Allerdings gibt es hier noch eine bemerkenswerte Besonderheit: Unter bestimmten Bedingungen kann man die Atomwolke dazu bringen, auf zufällige, unvorhersagbare Weise zu zerbrechen, wie ein Glas, das in Scherben zersplittert. Diesen spontanen Zerfall nennt man „Granulation“. Aus dem Zusammenhang zwischen den Faraday-Wellen und der Granulation kann man einiges über komplizierte quantenphysikalische Vielteilchen-Phänomene lernen. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal „Physical Review X“ publiziert.

Zufall oder nicht?

„Granulation ist normalerweise ein Zufallsprodukt, das man bei festen Körpern beobachtet – wie das Zerbrechen von Glas oder das Pulverisieren eines Steins in unterschiedlich große Körner“, sagt Axel Lode, der am Atominstitut der TU Wien und am Wolfgang Pauli Institut an der Uni Wien arbeitet. „Faraday-Wellen hingegen sind nicht zufällig. Bei ihnen handelt es sich um regelmäßige, stehende Wellen, die immer wieder genau gleich aussehen, wenn man eine Flüssigkeit auf dieselbe Weise schüttelt.“

Erstaunlicherweise lassen sich aber die quantenphysikalischen Versionen beider Phänomene in ein und demselben Quantensystem hervorrufen. Dafür verwendete man eine Wolke von Lithium-Atomen. Sie werden zunächst bis knapp über den absoluten Nullpunkt gekühlt, sodass sie einen gemeinsamen Quantenzustand annehmen und ein sogenanntes „Bose-Einstein-Kondensat“ bilden.

Durch ein schwaches, langsam oszillierendes Magnetfeld kann man in diesem Bose-Einstein-Kondensat Faraday-Wellen erzeugen – auf klar vorhersagbare und wiederholbare Weise. „Wenn man dieses Magnetfeld allerdings verstärkt und gleichzeitig seine Frequenz senkt, passiert etwas Erstaunliches“, berichtet Axel Lode. „Die Atomwolke zerbricht an zufälligen Positionen.“ Aus dem Kondensat, in dem alle Atome streng quantenphysikalisch miteinander verbunden sind und exakt im gleichen Takt schwingen, werden unterschiedliche Quanten-Körner, deren Größe und Position vom Zufall bestimmt ist.

Gemessen wurde das an der Rice University in Houston, Texas, mit Unterstützung von Forschungsteams aus Brasilien und Österreich. „Es wurden sogenannte single-shot-Bilder aufgenommen, also, ganz simpel gesagt, Fotos vom Quantenzustand der Atomwolke“, erklärt Axel Lode. So lange sich im Kondensat Faraday-Wellen ausbildeten, sahen diese Bilder jedes Mal gleich aus. Doch wenn es zur Granulation kommt, sieht das Bild immer völlig anders aus, auch wenn man das Experiment völlig gleich durchführt.

Computersimulation der Quantenkorrelationen

Das hat mit Quantenkorrelationen zu tun – mit den komplizierten Zusammenhängen zwischen Quantenteilchen, die sich mathematisch nur sehr schwer beschreiben lassen. Axel Lode entwickelte an der TU Wien die nötige Software, um das Vielteilchensystem mit seinen Quantenkorrelationen zu beschreiben und so die Messergebnisse korrekt deuten zu können. Das Verhalten von Quanten-Vielteilchensystemen gehört nach wie vor zu den großen ungelösten Rätseln der Physik. Zwar ist die Gleichung bekannt, an die sich die Quantenteilchen zu halten haben – nämlich die Schrödingergleichung, doch machen die Quantenkorrelationen den Zustand der Teilchen viel zu kompliziert, als dass man ein System von hunderten oder gar tausenden Quantenteilchen exakt beschreiben könnte. Zu klären, wie Quantensysteme aus Teilsystemen aufgebaut sind, wie sie miteinander zusammenhängen und wie ein großes System in kleinere, unabhängige Teile zerfallen kann, spielt für die Forschung an den Grundlagen der Physik daher eine wichtige Rolle. Die Forschungsarbeit wird an der TU Wien weiter fortgesetzt: Axel Lode leitet nun ein vom FWF finanziertes Einzelprojekt, das weitere Rätsel rund um diese Vielteilchensysteme lösen soll. (Florian Aigner)

Originalpublikation:
J. Nguyen et al., Phys. Rev. X 9, 011052 (2019)

Externer Link: www.tuwien.ac.at